Aves Is. - Curacao - Aruba

Bevor wir am 15. März Trinidad verlassen, verbringen wir noch eine Ankernacht auf Monos Island. Otto und Kim von der SY Ottifant sind auch dort und sie laden uns zum Dinner ein. Es ist ein schöner Abschiedsabend, wir bekommen ein leckeres Essen serviert und dürfen Ottos einmalige und wirklich wunderschöne Segeljacht besichtigen. Wir sind beeindruckt von der Ausstattung mit Waschmaschine, Tiefkühlschrank, großem Badezimmer, über zwei Etagen sich erstreckendem Salon, begehbarem Maschinenraum, alles vom Feinsten und alles tiptop in Ordnung. Respekt!

 

Am nächsten Tag geht es endlich los. Zunächst wollen wir den Aves Archipel besuchen, von dem wir ja letztes Jahr so begeistert waren. Voller Vorfreude auf entspannte Inseltage segeln wir los und erfreuen uns nächtens an sehr intensivem Meeresleuchten. Neben uns brechen sich die Wogen mit weiß leuchtenden Kämmen, als spiegele sich in ihnen die gesamte Milchstraße. Ganze Wolken, Blitze und Lichterketten fluoreszierenden Planktons leuchten auf und verschwinden mit dem Kielwasser wieder in der nachtschwarzen See. Mit einem gebührlichen Sicherheitsabstand zur Küste Venezuelas und nach nur drei Tagen erreichen wir mit dem letzten Büchsenlicht unser Ziel. Im letzten Jahr brauchten wir für den ähnlich langen Weg von Bonaire nach Dominika 18 Tage; aber damals hatten wir ja auch Wind und Strom gegenan und dümpelten mehrere Tage in der Flaute.

 

Auf den Aves Barlovento genießen wir die Ruhe des Atolls und die sternenklare Nacht. Venus und Jupiter sind ganz dicht beieinander zu sehen, was nur sehr selten so zu beobachten ist. Am Morgen werden wir von Sonnenschein, türkisfarbenen Wasser und feinem Sandstrand begrüßt. Wir spüren die sanfte, weiche, saubere Luft, die unserer Haut schmeichelt und wir möchten hier einige Tage verweilen. Gudrun hat übermorgen Geburtstag und sie überlegt, wo sie an diesem Tag in den letzten Jahren war. Sie notiert: 2010 unter Kokospalmen am Pigeon Point auf Tobago, 2011 im Washington-Slagbaai-Nationalpark auf Bonaire und 2012 im Korallenriff auf den Aves Islands! Und sie denkt, was für ein Glück! Aber es kommt anders.

 

Am nächsten Morgen bringen uns drei Fischer zwei kleine Langusten und bitten uns um Augentropfen und Rum, was wir ihnen beides geben. Nach fünf Minuten kommen sie mit einer weiteren Languste zurück, sie fühlten sich wohl zu gut bezahlt und wir sind von dieser offenherzigen Freundlichkeit sehr berührt. Nun berichten sie uns auch, dass vor drei Monaten Segler hier von Piraten überfallen und getötet wurden. Schlagartig sind unsere Begeisterung und Freude dahin und wir können uns nicht entschließen, hier noch länger zu bleiben. Manfred notiert im Logbuch: „Wir haben einfach zu viel Angst und wollen noch etwas leben“.

 

Wir gönnen uns noch ein Bad im warmen, sauberen Wasser, danach lichten wir den Anker und verabschieden uns sehr enttäuscht von diesem schönen Ort. Schade, trotzdem vielen Dank an die Fischer für ihre Warnung an uns.

 

Übrigens war das westliche Riff-Atoll, das wir jetzt passieren, im 17. Jh. Schauplatz für den Untergang der gesamten, aus dreizehn Schiffen bestehenden Französischen Flotte, als diese auf dem Weg zu den ABC-Inseln waren, um sie den Holländern zu entreißen. Mit nur drei Schiffen lockten die Holländer sie in den Hinterhalt, die gesamte Flotte lief auf die Riffe und ging verloren. Da es auf den Inseln kein Trinkwasser gibt, hatten die Überlebenden keine Chance und starben, als alle Vorräte aufgebraucht waren.

 

Am nächsten Morgen ankern wir – nach einer ruhigen Überfahrt von 82 Seemeilen wieder mal im Spaanse Water, Curacao. Hier kennen wir uns aus und so ist der Alltag für uns recht einfach und Einklarieren, Verproviantieren etc. sind schnell erledigt. Wir suchen wieder unsere Lieblingsplätze auf, erleben einen Wettbewerb von Straßen MalerInnen und lernen Lydia Hitzfeld aus Wilhelmshaven kennen, die als bekannte europäische 3-D-malende Straßenkünstlerin hierher eingeladen wurde. Auch eine Sandbildhauerin erschafft eine beeindruckende Figur. Erfreut bemerken wir viele Kinder und Jugendliche, die sich an dem Wettbewerb beteiligen und mit Eifer ihr Können präsentieren. Somit erfreuen wir uns in Willemstad einer sehr ruhigen und entspannten Stimmung.

 

Wir besuchen wieder das Sklavenmuseum und lernen erstaunt, daß Voltaire, der bedeutende Aufklärer und wichtige Wegbereiter der französischen Revolution, bezüglich des Sklavenhandels offenbar keine sonderlich kritische Haltung einnahm. Ihm zu Ehren wurde sogar ein Sklavenschiff nach ihm benannt.

 

Die Beschäftigung von Dienern schien ihm schlimmer als der Sklavenhandel. Einen nach Paris verschleppten afrikanischen Albino beschrieb er als „eines der Tiere, welche den Menschen ähneln“. Und schließlich schrieb er: „Wir kaufen die Haussklaven ausschließlich bei den (kollaborierenden) Häuptlingen in Afrika; ein Volk, das mit seinen Kindern handelt, ist viel verurteilenswerter als der Käufer“. Voltaire lebte von 1694 – 1778, die Zeit war wohl noch nicht reif für eine humanistische Haltung zum Sklavenhandel.

 

Gudrun besucht die jüdische Synagoge und genießt während der Freitagabend-Messe den herrlichen Gesang des Kantors. Die Synagoge ist ein architektonisches Schmuckstück, hervorragend restauriert, mit wertvollen Leuchtern, Altar und Bänken aus Mahagoniholz. Der Boden besteht aus weißem Sand und vermittelt beim Betreten ein ganz intensives Gefühl der Ruhe, da der Sandboden jedes Geräusch während des Gottesdienstes dämpft.

 

 

Aruba

Anfang April starten wir nach Aruba, der letzten, 84 Seemeilen entfernten ABC-Insel. Es ist die westlichste und kleinste der drei ABC-Inseln, ein überwiegend flacher, rund 30 km langer und 9 km breiter Korallenstock. Oranjestad ist mit 70.000 Einwohnern die Hauptstadt. Mit 600 Einwohnern/qkm ist die Bevölkerungsdichte fast drei Mal so hoch wie in Deutschland und fast alle leben vom Tourismus.

 

Der einst reichsten niederländischen Antilleninsel drohte 1986 nach Aufgabe der im Osten der Insel gelegenen weltgrößten Ölraffinerie der wirtschaftliche Kollaps; seitdem ist der Tourismus Hauptwirtschaftszweig und wichtigster Devisenbringer. Aruba wird jährlich von rund 1,5 Millionen Touristen besucht, die sich zum größten Teil in den Hotelstädten westlich der Hauptstadt niederlassen. Hinzu kommen täglich zwei Kreuzfahrtschiffe mit bis zu 6.000 Gästen, die sich zwischen 08:00 und 19:00 Uhr in die Einkaufspaläste der Hauptstadt ergießen. Um es abzukürzen: Wir haben noch nie eine derartige Anhäufung von unnützem und hässlichem Einweg-Wegwerf-China-Mist gesehen und beim Anblick der neuen Architektur gewinnen wir den Eindruck, der Architekt habe als Kind zu viel mit Barbie Puppen gespielt. Das Renaissance Hotel wartet sogar mit einer eigenen Bootsvorfahrt auf, auf dem Weg zum Foyer muss man durch das Starbuck’s Café, wie praktisch!

 

So schnell geben wir aber nicht auf, irgendetwas Schönes muss doch zu finden sein. Mit dem Public Bus fahren wir in den Nordosten der Insel und siehe da, bei Ayo türmen sich haushohe tonnenschwere Steine vermutlich vulkanischen Ursprungs wie von einer Riesenhand hingeworfen. In den Höhlungen haben Ureinwohner gelebt und ihre Anwesenheit mit schönen Wandzeichnungen belegt. Ein liebevoll angelegter Park unterstreicht das Besondere dieses Ortes.

 

Wir laufen weiter zum Nordstrand, wo wir ein Bad nehmen können, weil es an dieser Stelle der Küste nicht gefährlich ist. Als wir müde sind, nehmen wir das Angebot eines sehr freundlichen Busfahrers zu einer touristischen Gratis-Rundreise an und sehen kilometerlange Strände, zugewachsen mit Hotelhochhausbauten und Shopping-malls soweit das Auge reicht. Soviel Tourismus verträgt kein Ort der Welt, ohne Schaden zu nehmen.

 

Eine weitere Bustour unternehmen wir nach Sint Nicolaas, der ehemaligen Raffineriestadt, wo sich früher Tankerbesatzungen, Arbeiter und Geschäftsleute aus aller Welt die Kneipen teilten. Wir sehen eine wahre Geisterstadt, geschätzte 70% Leerstand und Verfall mit Ausnahme der frisch herausgeputzten Kirche und der aus früheren und somit besseren Zeiten stammenden „Charlie’s Bar“, ein unikates „must see“, wie wir finden.

 

Nach diesen so gegensätzlichen Eindrücken von Aruba entschließen wir uns, dieser so ganz und gar vom nordamerikanischen Tourismus vereinnahmten Insel schon nach wenigen Tagen den Rücken zu kehren.

 

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