Trinidad - Chaguaramas - Divali

Nun sind wir immer noch an Land im tropisch heißen und feuchten Chaguaramas, Trinidad, wo eine Menge Arbeit am Boot inzwischen erledigt ist. Eigentlich wollten wir ja schon längst wieder im Wasser sein, aber wir leben nicht nur, sondern arbeiten inzwischen auch deutlich entschleunigt.

 

Dazu gehören zur Sicherung des Lebensunterhalts ausführliche Marktbesuche in der Hauptstadt Port of Spain. Früh um sechs Uhr fährt Gudrun mit dem Maxi Taxi, einem der zahlreichen privaten Linien-Minibusse mit zwölf Sitzplätzen los und kehrt Stunden später schwer beladen mit Obst, Gemüse, Fisch oder Fleisch zurück. Gegen zehn Uhr ist der Markt zu Ende, die nicht verkauften Waren gehen wieder zurück ins Kühlhaus.


Divali – das hinduistische LichterfestDivali, ist ein bedeutendes mehrtägiges Fest und wird außer in Indien auch in anderen vom Hinduismus geprägten Ländern wie z.B. in Trinidad abgehalten und hat unter der indischen Bevölkerung, die hier ca. 40% ausmacht, auf Grund seiner spirituellen sowie sozialen Bedeutung und seines fröhlichen Charakters den Status wie unser Weihnachten.

 

Am 26. Oktober lassen wir uns in einen rein indischen Stadtteil fahren und werden verzaubert von einer unvergleichlich fröhlichen, friedlichen Stimmung. Kernaussage des Festes ist der Sieg des Guten über das Böse, Licht über Dunkelheit und das Erkennen eigener innerer Stärken. Es dient wohl auch einer Art inner Reinigung, die Höfe sind gefegt, die Autos auf hochglanzpoliert und die Menschen flanieren in indischer Festtagskleidung durch die vom Lichtermeer erhellten Straßenzüge. Waren es ursprünglich nur kleine Öl-Lampen – in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt – sind es heute zunehmend elektrische Lichterketten die Wohnhäuser und Geschäfte erleuchten. Später werden überall Knallfrösche und anderes Feuerwerk entzündet. 

 

Auch ein barfüßiger Besuch in einem hinduistischen Tempel steht auf dem Programm, mit kurzer Einweisung und anschließender Verköstigung: Auf einem Bananenblatt werden kleine Kostproben indischer Küche drapiert, die dann mit den Fingern dem Mund zugeführt werden, die teilweise breiige Konsistenz verlangt uns da einiges Geschick ab. Der Tempel ist reich geschmückt mit farbenfrohen Standbildern aller möglichen Gottheiten wie Brahma, Vishnu, Shiva und wie sie alle heißen, darauf einzugehen würde diesen Rahmen jedoch sprengen.


Was sonst so passiertEines Tages, wir halten gerade unseren Mittagsschlaf, werden wir von einem leichten Schütteln unseres Bootes wach. Die Wasserflaschen zittern und wir denken an einen überschweren LKW, der über eine Bodenwelle holpert. Da aber nichts zu hören ist, muss es wohl ein Erdbeben sein, eine für uns völlig neue Erfahrung. Tatsächlich war es ein leichtes Beben der Stärke 2,6, wie wir später erfuhren, hierzulande nichts Ungewöhnliches.

 

Ebenfalls hierzulande nicht ungewöhnlich ist die Erkrankung an Dengue-Fieber, auch Knochenbrecherkrankheit genannt, die von einer bestimmte Mücke übertragen wird. Drei verschiedene Mitsegler erkrankten bisher und waren für mindestens eine Woche aus dem Verkehr gezogen. Ein holländischer Segler erkrankte an Hautleishmaniose, die von einer Sandmücke übertragen wird und auch als Bagdad-, Orient- oder Aleppobeule bekannt ist und hier nicht behandelt werden kann.

 

Selbst ein tragischer Todesfall ist zu verzeichnen: Bei Takelarbeiten fiel ein Mast auf eine hinter dem brasilianischen Boot verlaufende Starkstromleitung, die Batterien fingen an zu brennen, der Skipper wollte seiner an Bord befindlichen Frau zu Hilfe kommen und beim Berühren der Eisenleiter kommt er durch einen Stromschlag ums Leben, eine tragische Geschichte. Das Boot steht jetzt zum Verkauf und am Zaun prangt seitdem alle 20m eine unübersehbare „Caution – High Voltage“ Warntafel.


Neben den erwarteten Arbeiten im Motorraum zeigten sich auch Überraschungen wie zum Beispiel der durchgerostete Abgaskrümmer oder eine leckende Wasserpumpe. Die Hauptursache für die Arbeiten im Motorraum war eine fehlerhaft eingebaute Dichtung der Propellerwelle, dadurch tropfte ständig Salzwasser in den Motorraum, was in einem Stahlschiff unweigerlich Rostbefall zur Folge hat. Zudem trat das Schmierfett für die Welle nach innen aus und wurde durch die rotierende Welle weiträumig verteilt.

 

Ein ekliges Gemisch aus Salzwasser, salzwasserbetändigem Fett, Rost, Keilriemenabrieb, Kaltreiniger, Rostlöser und Kondenswasser musste entfernt werden. Unter Einsatz von Kratzwerkzeugen aller Art, Winkelschleifern und Chemikalien werden Motor und Motorraum gereinigt, konserviert und in vier Schichten 2-komponentig neu lackiert, ohne zusätzliche Belüftung und Gasmaske nicht machbar. Bei 32°C unter Deck eigentlich eine Sklavenarbeit.

 

Um im Motorraum arbeiten zu können, musste der Motor bis unter die Decke angehoben werden, nur so ist der ca. 150cm lange und bis zu 70cm breite Motorraum zugänglich. Die Wellendichtung erhält neue Simmerringe, ein fehlender Sicherungsring in der Kühlwasserpumpe wird ausfindig gemacht und eingebaut. Die Befestigung der Kühlwasserpumpe wird geändert sowie eine Führung mit Keilriemenspannvorrichtung erdacht und zusammengeschweißt. Ein neuer Abgaskrümmer wird geschweißt und hält jetzt wieder ein paar Jahre. Zusätzlich erhält der Motorraum eine Beleuchtung, Steckdosen, Kabelkanäle und andere Schutzabdeckungen. Nun glänzt alles wie neu und nach Weihnachten kann der Motor wieder eingebaut werden.

 

Das Besorgen von Ersatzteilen ist immer extrem zeitaufwändig. Die Schrauben sind hier alle „Imperial“, also Zollmaße. „Metric“ ist hier die Ausnahme. Elektromaschinen und -geräte laufen hier mit 120 Volt statt mit 220 Volt. Die hiesigen Baumärkte sind relativ gut sortiert, das Angebot ist eher vergleichbar mit den früheren Heimwerkerabteilungen unserer Kaufhäuser; an Baumärkte wie Obi, Hornbach etc. reichen sie jedoch bei Weitem nicht heran. LED-Ersatzbirnen sind hier ebenso unbekannt wie Kabelkanäle.

 

Gudrun malt sich während dessen die Finger wund: Das Deckshaus erhielt einen neuen Anstrich, Fußgrätinge (Holzgitter auf dem Fußboden), Anker, Bootshaken, Motoranbauteile, alles wird sorgfältig entlackt, entrostet, repariert, neu lackiert, wieder zusammengeschraubt. So vergeht die Zeit wie im Flug. Daneben sind Einkaufen, Kochen, Hausarbeit, Krankenbesuche zu erledigen.

 

Wir nehmen uns aber auch die Zeit, uns auszuruhen und unser Tagewerk zufrieden zu betrachten. Auch lassen wir die dienstäglichen Trans-Ocean-Treffen nicht aus und treffen uns jeden Sonntag zum gemeinsamen Grillen mit überwiegend deutschsprachigen Seglern.


Plötzlich ist WeihnachtenNun ist Weihnachten so schnell über uns herein gebrochen, dass wir es kaum glauben können. Unter tropischer Sonne heizen sich die Tagestemperaturen schnell auf 32°C auf, um die Mittagszeit regnet es sich ab, manchmal mit kräftiger Gewitterbegleitung und schönen Regenbögen. Der Platz wird immer leerer und die Werft spendiert uns Seglern eine Weihnachtsfeier mit viel Rumpunsch, Bier, Wein und Fingerfood, dazu laute Musik und Tanz. Kleidung war „elegant“ angesagt, dass heißt Männer in langen Hosen aber ohne Schlips und Frauen hochhackig mit Geschmeide. Heute, an Heiligabend gibt es bei uns ein gutes Stück Fleisch an Rotkohl und Kartoffeln, morgen wird wieder in großer, fröhlicher Runde der Grill angeworfen und Montag geht’s normal weiter in der Hoffnung, ab Mitte Januar wieder segeln zu können.

 

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