Kreuzfahrt mit Hindernissen

Pläne sind zum Ändern da

Ursprünglich hatten wir über eine Weiterfahrt Richtung Panama nachgedacht, andererseits wäre es von dort aus praktisch kaum vorstellbar, noch einmal in die Antillen zurückzukehren. Da wir aber mit Barbados, Tobago und Grenada längst nicht genug davon gesehen haben, entschlossen wir uns, dies jetzt nachzuholen. Der Weg hierher war lang und etwas unbequem, doch unterm Strich hat es sich gelohnt.

 

Das Kreuzen ist ein elendes Geschäft

oder: Tausend Meilen gegenan.

 

Am Sonntag, den 10. April stechen wir in See. Rund 460 Seemeilen lang ist die Strecke, eine Woche Segeln bedeutet das bei günstigen Voraussetzungen, vorsichtigerweise melden wir uns für die nächsten zwei Wochen ab, den wir müssen gegen Wind und gegen den Strom segeln. Der Auftakt kann wunderbarer nicht sein, mit günstiger Wetterprognose im Gepäck runden wir am Abend bei Sonnenuntergang die Südspitze von Bonaire und kommen in der Nacht mit voller Segelgarderobe ein gutes Stück nordwärts voran.

Mittags beobachten wir in zwei bis dreihundert Metern Entfernung ein gewaltiges Vogelgeschrei, darunter kocht die See vor Fischen, die in diesem Moment von Walen gejagt werden. Einer von ihnen steigt bis zur halben Körperlänge senkrecht aus dem Wasser und fällt wie in Zeitlupe wieder in sein Element zurück.

 

Zwischendurch beginnt es zu regnen, dann bleibt der Wind aus. Da wir beschlossen haben, die Flauten zu nehmen wie sie sind und darauf verzichten, den lärmenden Motor anzuwerfen, verleben wir ruhige Stunden an Bord, gehen schwimmen, lesen oder spielen einen flotten Canasta. Auch die Bordfriseure treten in Aktion.

 

Dann kommt wieder Wind auf, mal mehr, mal weniger und wir fahren unsere Wenden in 24StundenAbständen, je nach dem ob es in Bezug auf die wechselnden Windrichtungen Sinn macht oder nicht. So vergehen die Tage in Routine ohne besondere Aufregung. Um Mitternacht haben wir die Isla de Aves knapp 6 Seemeilen querab und erkennen statt eines Leuchtfeuers einen taghell beleuchteten Komplex, tippen auf Bohrinsel oder Forschungsstation und tatsächlich, spätere Internetrecherchen bestätigen das Vorhandensein einer Forschungseinrichtung auf dieser 350m mal bis zu 55m großen venezuelanischen Insel.

 

Am 10. Tag verlässt uns der Wind und wir lassen uns treiben. Ein leiser, nicht segelbarer Luftzug drückt uns zusammen mit dem Strom zunächst in südliche, dann in westliche Richtung.

Drei Tage dauert die Flaute an und wir sind weit zurückgetrieben, als der Wind wieder auflebt. Hurtig segeln wir jetzt in die richtige Richtung, der Wind schläft wieder ein, lebt erneut auf. Als am 16. Tag wieder mal die Segel schlaff hin und herschlagen, hat unsere Geduld ein Ende und wir nehmen unter Motor Kurs auf Dominica, das wir am 17. Tag nach unserer Abreise erreichen.

 

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