Dominica - The Nature Island

Ein wenig Geschichte

Dominica ist im Gegensatz zu den bisher besuchten Inseln kein Korallenstock, sondern eine reine Vulkaninsel und hat eine Ausdehnung von 46 km mal 26 km.

Wegen der überaus üppigen und verschiedenartigen Tier und Pflanzenwelt und einigen der mit bis zu 1.447 m höchsten Berge der Kleinen Antillen, über 300 Flüssen sowie zahlreichen Seen wird sie auch „The Nature Island“ genannt. Der Nationalpark Morne Trois Pitons ist seit 1997 UNESCOWeltnaturerbe.

 

Dominica war wegen des besonders starken Widerstands der Ureinwohner die letzte von Europäern kolonialisierte karibische Insel und in einem Reservat im Osten Dominicas leben die letzten ca. 500 Indianer vom Stamm der Kariben. Dominica hat rund 72.000 Einwohner, prozentual leben hier dreimal so viele über Hundertjährige wie in Deutschland.

 

Die Wirtschaft Dominicas ist von der Landwirtschaft, vor allem von Bananen, abhängig und bleibt durch die klimatischen Bedingungen(Hurrikane) und die Abhängigkeit von internationalen Förderprojekten sehr verwundbar. Die touristische Entwicklung geht nur zögerlich voran, internationale Direktflugverbindungen sind nicht vorhanden, vielleicht ist das ein Glück für die kaum beeinträchtigte Natur. Die Europäische Union ist Dominicas wichtigster Partner in der Förderung der Wirtschaft und des Tourismus. Die Regierung versucht mit dem „EcoTourism Development Programme (ETDP) den schrittweisen Aufbau einer ökologisch geprägten Tourismusbranche.

 

Portsmouth und Umgebung

Ein Rundgang durch das Dörfchen Portsmouth macht vor allem eines deutlich: Keine Touristen, weitgehende Separierung der Ethnien, verbreitete Arbeitslosigkeit und Armut. Zwar werden wir gelegentlich aber nicht aggressiv angebettelt, aber ansonsten geht es ländlichsittlich zu: Jeder grüßt jeden, geantwortet wird mit: “Alright, OK, Yeah“. Man bietet uns Dienste an: Führungen, Wäschewaschen, Taxi und Bootsfahrten, Obst, Gemüse etc. Vieles nehmen wir an, einiges lehnen wir ab. Die kleinen, meistens schmuddeligen TanteEmmaLäden bieten Grundnahrungsmittel, auf Bier und Wein müssen wir also nicht verzichten, wohl aber auf unsere sonntäglichen Frühstückseier. Die Hühner leben in und von der Gosse, Eier warten ungekühlt bei 32°C undatiert auf Käufer, wir versuchen es trotzdem, aber uns vergeht der Appetit.

 

Wir treffen auf sehr nette Schweizer Segler Marianne und Michèle sowie Christophe und Victoriya und verabreden uns für die nächsten Tage zu gemeinsamen Ausflügen.

Zu sechst im Kleinbus werden wir die Berge hinauf und herab kutschiert. Unser Reiseführer Larry führt uns zielsicher an alle Natursehenswürdigkeiten heran und wir fühlen uns betört ob der Vielfalt der Sinnesreize für Auge, Ohr und Nase.

Wir lernen Schwefelquellen kennen, unternehmen eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall, finden eine Landkrabbe, die Hunderte Ableger mit sich trägt.

 

Wir entschließen uns zu einer weiteren Tour mit kenntnisreichen Führern namens Jimmi Maccaroni und Cooly. Sie führen uns kenntnisreich und engagiert in die dominicanische Flora ein und wir erfahren viel über rote, gelbe und Kochbananen, Mangos, Sternfrüchte, Papayas, Mandeln, Yamswurzeln, Grapefruit, Kakaobäume, Zimtbäume, Rizinus, Baumfarne, Mahagonibäume, Süßkartoffeln, Zitronengras, Cashewfrüchte, verschiedene Heilkräuter, Ananas, Kokosnüsse und vieles mehr. Von allem müssen wir kosten, werden bepackt mit Kostproben aller Art und fallen abends vollgestopft mit neuen Eindrücken ins Bett.

Jimmi findet eine reife Kakaofrucht und öffnet deren harte Schale, in der sich in einer weißlichschleimigen, nach Zitrone schmeckenden Masse die Kakaobohnen befinden, die später getrocknet und gemahlen werden. Cooly zerlegt mit einem Stein und bloßen Händen eine Kokosnuss, die voll mit Wasser gefüllt ist, nie zuvor haben wir einen solchen frischen und intensiven Kokosgeschmack erlebt.

 

Wir fahren herunter zur Küste zu den „Red Rocks“ einer schamotteroten vulkanischen Hinterlassenschaft an der brandungsreichen Ostküste und lassen einige Momente die Seele baumeln.

Dann geht’s in kurvenreicher Fahrt wieder hinauf ins Gebirge und wir statten dem Central Forest Reserve einen Besuch ab. Auf einem gut ausgebauten Weg werden wir durch einen märchenhaften Urwald geführt, wie er schöner nicht erdacht werden könnte.

 

Wir halten Lunch im River Rusch Eco Retreat , einer Art Urwaldhotel, siehe auch:

http://riverrush.com/ .

 

In den letzten Jahren wurde der „Waitukbuli National Trail“ angelegt, ein durchgehender Wanderweg, der die gesamte Insel von Süd nach Nord umfasst und über alle Natursehendwürdigkeiten der Insel führt. 14 Tage soll die knapp 180 Kilometer lange und anstrengende Wanderung dauern (für geübte Wanderer, nicht für uns!).

Wir begnügen uns derweil mit dem Cabrits Nationalpark mit ein paar kurzen Wanderstrecken, denen wir noch gewachsen sind. Wir besichtigen das Fort Shirley, das zum geringen Teil noch erhalten ist und ersteigen die höchsten kanonengespickten Punkte.

Nach soviel Natur und ein bisschen Kultur darf auch das Soziale nicht zu kurz kommen und wir verabreden uns zum sonntäglichen Barbecue, wo wir nette Segler kennenlernen und einen fröhlichen Abend verleben. Schade, dass wir unterschiedliche Reiseziele haben.

 

Bald darauf machen wir uns auf nach Roseau, der Inselhauptstadt im Süden des Landes. Auch hier werden wir sofort von einem wachsamen Boatboy empfangen, der uns für 10 US$/Nacht eine Mooringboje zuweist. Wir erkunden die Hauptstadt, die uns relativ sauber erscheint und erfahren auch warum: Allerorten sehen wir Warntafeln, dass widerrechtliches Müllentsorgen mit einer 5.000 EC (ca. 1.250€) Geldstrafe, ersatzweise mit einem Monat Gefängnis belegt ist!

 

Auf unserem Rundgang erleben wir die abenteuerlichsten Bauten in unterschiedlichsten Unterhaltungszuständen, einige stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Was bereits zerbröselt ist, wird weitergenutzt wie z.B das „Ruin Rock Café“ mit seiner einzigartigen Atmosphäre.

 

Von hier aus starten wir zu einer laut Reiseführer „anstrengenden“ Wanderung. Den Boiling Lake“ genannten tatsächlich kochenden, zweitgrößten See der Welt wollen wir kennen lernen. Wir verabreden uns wieder mit einem durchtrainierten Führer und werden morgens um 7:00 Uhr ins Gebirge gekarrt. Von dort geht es auf 600 Meter Höhe und die Wanderung beginnt. Zunächst moderat, dann müssen wir Treppensteigen: 200 m hinauf, 100 m hinab, 300m hinauf, 50 m hinab, 200m hinauf und so weiter. Nach gut 3 Stunden Wanderung auf dem übrigens hervorragend ausgebauten und unterhalten Weg und noch 1 Stunde von unserem eigentlichen Ziel entfernt haben wir unsere Grenzen erreicht. Unser Führer lacht sich eins, dreht sich ’nen Joint und rennt mit unserer Kamera los. Nach einer Stunde ist er zurück und erzählt uns, wie er vor einigen Jahren die ganze Strecke in 50 Minuten gelaufen sei, um einen anderen Führer zu retten, der in den kochend heißen See gefallen war.

 

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