Drei Monate Deutschland

Besuche, Feiern und etwas Kultur

Nachdem wir nach einer 40 Stunden langen, umständlichen und von Flugverspätungen gekennzeichneten Rückreise sicher wieder in Chaguaramas / Trinidad angekommen sind, möchten wir mal aus hiesiger Perspektive über unseren dreimonatigen Deutschlandaufenthalt berichten.

 

Prägend waren die zahlreichen Begegnungen mit uns lieben Menschen, aber auch der Besuch einiger Veranstaltungen hinterließ nachhaltige Eindrücke. Runde Geburtstage Es gibt einige runde Geburtstage zu feiern, darunter der neunzigste Geburtstag von Manfreds Mutter Luise, immer noch fröhlich und geistig intakt, wenn ihr auch das Gehen inzwischen schwerfällt. Wir lassen uns noch von ihr mit ihrem alten Jetta bei schönem Wetter durch den Landkreis und an die Elbe kutschieren, sind dann aber überrascht und auch ein bisschen froh, dass sie ihr geliebtes Auto inzwischen abgegeben hat.

 

Ein alter Studienfreund begeht seinen siebzigsten in großer Runde und ein weiter Freund feiert einen riesigen fünfzigsten mit musikalischer Unterstützung der Los Tumpolos. Schließlich feiert Julia ihren sechsunddreißigsten Geburtstag mit einem ausgedehnten Frühstück im Familienkreis auf dem Lindener Marktplatz.

 

Neben zahlreichen Treffen mit Familie und Freunden ist auch ein Besuch des Maschseefestes angesagt und das jährliche Nachbarschaftsfest in unserer Straße ist auch wieder ein voller Erfolg. Schön zu sehen, wie die Kinder groß und erwachsen werden und ihre Elternhäuser mit großen Zukunftsplänen verlassen. Überhaupt muss auch an dieser Stelle diese tolle Nachbarschaft erwähnt werden, alle achtzehn Parteien leben in Frieden und reger Kommunikation miteinander, nicht zuletzt wissen wir unser Haus in guter Obhut und freuen uns jedes Mal wieder auf unser Zuhause.

 

Ein weiteres Treffen verlegen wir in den hannoverschen Stadthallengarten, ein wunderschönes Gelände, in dem vor sechzig Jahren eine Bundesgartenschau stattfand. Inzwischen in die Jahre gekommen, liegt er außerhalb der verlärmten Aktivitätszonen der Stadt und strahlt eine gewisse Verträumtheit aus.

 

Mit dem Fahrrad geht’s nach Wennigsen zur Schlossbesichtigung, ein anderes Mal feuern wir Gudruns Sohn Alexander beim Marathonlauf in Benthe an.

 

Während Gudrun mit Julia eine alte Freundin in Stuttgart an einem Wochenende besucht, an dem - man glaubt es kaum - auch Hannover 96 dort zu Gast ist, fährt Manfred mit einem alten Freund nach Hamburg und besichtigt den Museumshafen Övelgönne. Die beiden haben Glück, und nach erfolgter Besichtigung des Dampfeisbrechers „Stettin“ hat der ebenfalls kohlebefeuerte Dampfschlepper „Tiger“ Druck auf dem Kessel und lädt zu einer eineinhalbstündigen Hafenrundfahrt ein, ein wahrhaft besonderes Erlebnis.

 

Ein weiterer Besuch bei Manfreds Mutter Luise findet seinen krönenden Abschluss bei einem kleinen Segeltörn auf der Elbe mit Manfreds Bruder Hans-Georg und seiner Frau Elke auf deren Boot.

 

Eine weitere Fahrt führt uns nach Bremerhaven. Wir haben mehrfach Glück: Wir treffen alte Seglerfreunde wieder und verweilen bei ihnen an Bord, auch Hafenmeister Rüdiger nimmt sich etwas Zeit für uns und wir werden Zeugen einer besonderen Begegnung: Bei Kaiserwetter nimmt die alte „Alexander von Humboldt“ (mit grünen Segeln) ihre Nachfolgerin „Alexander von Humboldt II“ (mit weißen Segeln) zur Taufe in Empfang.

 

Abends haben wir Glück und erleben eine lachhafte Vorstellung des Kabarettisten Jochen Malmsheimer mit dem Motto: „Wenn Worte reden könnten...“ Auch unser alter Kegelklub „Vier Jahreszeiten“ wird dank Organisationstalent Karin kurzfristig wiederbelebt und wir verleben einen fröhlichen Abend in netter Runde. Besonders freut uns, dass Manfreds Tochter Christina auch wieder dabei ist.

 

Miniatur-Wunderland Hamburg: Das Miniatur Wunderland ist die größte Modelleisenbahnanlage der Welt und befindet sich in Hamburgs historischer Speicherstadt. Auf der 1300 m² großen Anlagenfläche verkehren nicht nur fast Tausend Züge, sondern es sind jede Menge Autos unterwegs, ein ganzer Verkehrsflughafen ist in Betrieb und unvorstellbare Menschenmengen sind auf den Beinen: Arenen, Volksfeste und Szenen aus dem alltäglichen Leben sind mit Witz, Charme und Perfektion in Szene gesetzt. Einfach unmöglich, in diesem Rahmen auch nur annähernd eine Beschreibung abzugeben, das muss man einfach selbst gesehen haben. Gudrun und Julia, die beide nicht im Verdacht stehen, mit Modelleisenbahnanlagen auch nur annähernd etwas im Sinn zu haben, lösen sich erst nach fünf(!) Stunden und sind restlos begeistert.

 

Manfred beschließt, sein in den siebziger Jahren erstelltes Schiffsmodell „Cap San Lorenzo“, Schwesterschiff des heutigen Museumsschiffes „Cap San Diego“ in Hamburg, zu reaktivieren, kramt seine alte Fernsteuerung hervor, spendiert einen Satz neue Batterien und ab geht’s zum Maschteich. Mit dem Neuen Rathaus im Rücken lassen sich hier bei ruhigem spätsommerlichen Wetter ein paar beschauliche Runden drehen. Interessiertes Publikum ist uns sicher, ein etwa Zehnjähriger ist wissbegierig und darf Kapitän spielen, auch die beiden Kinder aus der „Kramerei“ sind begeistert.

Manfred ist zufrieden und schmiedet bereits neue Modelbaupläne für die noch vor uns liegenden Zeiten des Ruhestands, d.h. wenn wir mal nicht mehr segeln werden. Mit der Hamburger „Cap San Diego“ lassen sich übrigens interessante Fahrten unternehmen, z.B. auf der Elbe nach Cuxhaven oder durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Kiel. Bei einem Besuch der laufenden Maschine kann man hautnah miterleben, wie die 1.300 PS in jedem ihrer neun Zylinder ihr wuchtiges, lautstarkes Werk verrichten.

 

Home sweet home: Je öfter wir für so lange Zeit in fremden Ländern weilen, desto deutlicher wird uns auch der Wert unserer heimatlichen Umgebung, dem Ort, an dem wir Zuhause und sozial verankert sind. Allerdings ist unser kurzer Besuch zwischen all den Treffen und Veranstaltungen immer auch mit einer guten Portion Arbeit verbunden: Der Garten soll einen halbwegs gepflegten Eindruck machen, Bäume und Hecken müssen zurückgeschnitten werden und zwischendurch ist Hausputz angesagt.

 

Die Winterdienstvertretungen werden verabredet, das Auto wieder eingemottet und einige Basteleien für das Boot werden fertig gestellt und schon ist es wieder so weit: Die Laptops werden verstaut, das Reisegepäck unter Wahrung der Höchstabmessungen und -gewichte zusammengestellt und schon geht wieder los. Der Flug hatte in London 4 Stunden Verspätung, weil erst noch das Flugzeug repariert werden musste. Nach dem Start war der Flug dann überraschend unruhig wie auf einer holprigen Landstraße, aber der Ausblick auf die Pitons von St. Lucia entschädigte uns etwas. Nun sind wir wieder im tropisch-heißen und feuchten Trinidad, wo eine Menge Arbeit am Boot auf uns wartet. Ein Stahlboot braucht nun mal einige Zuwendung. 

 

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