Grenada - die Gewürzinsel

Jetzt, Ende April geht hier die Segelsaison schon wieder zu Ende und von Juni bis November ist hier die Hurricane-Saison. Es geht nun darum, einen sicheren Anker- oder Landstellplatz zu finden, möglichst außerhalb der möglichen Zugbahnen, wahrscheinlich ziehen wir uns nach Curaçao (ABC-Inseln) zurück, doch davon später. Zunächst wollen wir Euch von Grenada berichten.

 

Auch hier liegen wir schon rund 4 Wochen und lassen alles gemütlich angehen, was auch den Umgang mit Einheimischen sehr erleichtert. Wie heißt es doch so treffend: Der weiße Mann hat zwar die Uhr erfunden, der schwarze jedoch die Zeit. Inzwischen genießen wir, wie hingebungsvoll wir im Supermarkt an der Fleischtheke bedient werden: Wir werden freundlich angelächelt und gefragt, ob uns die Dicke der sorgfältig geschnittenen Kochschinkenscheiben so recht ist und mit Bedacht, als wäre es das Wichtigste der Welt, wird eine Scheibe auf die andere gestapelt und nach dem Wiegen üppig verpackt. An der Kasse stehen junge Männer, die die Waren in Unmengen von Plastiktüten umpacken und in US-amerikanischer Manier und zum eigens dafür angelegten Dingi-Anleger bringen.

 

Unsere ersten flüchtigen Eindruck gewinnen wir bei einem gemütlichen Stadtbummel durch die Inselhauptstadt St. George’s, sehr hügelig, sehr quirlig, sehr englisch, und wir freunden uns schnell mit der Umgebung an. Der Markt und die wichtigsten Orte wie Post, Internetzugang Wäscherei etc. sind bald erkundet. Auch hier wieder Linksverkehr, Schuluniformen, sehr viel Sicherheitspersonal und fast nur freundliche Menschen.

 

Wir treffen zufällig auf „alte“ Bekannte: Die Yachten Bomika, Elsa, Seatime, Aku Aku, Aleppo, Equinoxe entdecken wir im Hafen oder am Ankerplatz, neue Crews lernen wir kennen und so sind wir schnell eine große Familie, ein schönes Gefühl!

 

Wir verabreden uns zur 300-Jahrfeier der Gründung der Inselhauptstadt St. George’s, die Musik ist dermaßen laut, dass wir die Flucht ergreifen und leider nur wenig von den Darbietungen auf der Bühne mitnehmen können. Manfred holt sich beim Verzehr von etwas angekohltem Schweinfleisch einen flotten Durchfall und ist für den nächsten Tag abgemeldet, an dem eine Inselrundfahrt zu Wasserfällen, zu Muskatnuss- und Kakaoplantagen und zur Rumdestille verabredet war.

 

Bei einer weiteren Tour geht es zu den Seven Falls, einem kaskadierenden imposanten Wasserfall in Urwaldumgebung. Die engen, steilen Wanderwege sind kaum ausgebaut und vom letzten Regen glitschig. Auch wir bekommen einen ordentlichen Guss von oben. Die Luft dampft, es riecht muffig-modrig und wir sind durch geregnet und –geschwitzt. Minuten später knallt die Sonne, die hier jetzt mittags im Norden steht, fast senkrecht herunter und verbrennt schnell die ungeschützte Haut. Nicht nur wir, auch die Schwarzen schwitzen heftig und suchen den Schatten. 4 Liter Flüssigkeit sind das tägliche Minimum!

 

 Da wir in der Ankerbucht und nicht in der riesigen nagelneuen und nach US-Standard ausgestatteten Marina Port Louis liegen, kommt das Baden nicht zu kurz, alle ein- und auslaufenden Boote und Schiffe werden begutachtet und kommentiert. Unser Schlauchboot bewährt sich in hartem Einsatz, Supermarkt und Innenstadt sind 20 Schlauchbootfahrminuten entfernt. Der reparierte 2 PS-Außenborder verrichtet zuverlässig seinen Dienst und springt immer sofort an! So sei es weiterhin.

 

Und noch mal müssen wir auf die wirklich freundlichen Einwohner Grenadas zurück kommen, von der wir so gefangen genommen sind. Ein Wachmann spricht uns an und macht mit uns einen Rundgang durch das 2004 von Hurrikan Ivan arg in Mitleidenschaft gezogene ehemalige Parlamentsgebäude, das der englischen Krone gehört und mangels Masse nicht wieder instand gesetzt wird, aber auch nicht abgerissen werden darf. Ein anderer zieht uns vom Weg weg und zeigt uns einen schönen Aussichtspunkt. Natürlich werden wir auch von Menschen zum Kauf von Früchten in der Qualität von Fallobst überredet, bei Ablehnung bleiben sie jedoch freundlich und entspannt.

 

Und dennoch holt uns die Wirklichkeit ein und der Himmel bezieht sich mit dunklen Wolken. Wir hören aus Hannover, Julia ist akut schwer erkrankt, es geht ihr nicht gut. Gudrun will deshalb zu ihr, obwohl alle sich in vorbildlicher Weise und liebevoll um sie kümmern. Julias Bruder Alexander und die ganze Familie, unsere und ihre Freunde, die Mitarbeiter im Wohnheim und die Ärzte sind an ihrer Seite und kümmern sich, wofür wir ihnen unseren besonderen Dank sagen möchten.

Gudruns Rückflug geht über Miami und New York nach Frankfurt und stellt eine einzige Pannenfolge dar: Der erste Flieger ist defekt, dann folgt ein Hotelaufenthalt, in der nächsten Nacht geht es mit großen Verzögerungen dann doch weiter, allerdings kommt das Gepäck nicht mit… Glücklicherweise sind Kati und Andreas, Gäste vom benachbarten Segelboot Elsa zufällig im gleichen Flieger, so dass Gudrun die Aufregungen wenigstens nicht allein durchstehen muss.

 

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