Curacao Marina und Spaanse Water

 

Curaçao Marina

Nach drei wunderbaren Monaten im schönen Deutschland kehrt Manfred am 3. November wieder zu unserer „Schiwa“ zurück und gerät von einem Goldenen Herbst in die karibische Regenzeit. Das Boot steht unversehrt an seinem Platz in der Werft und es ist einiges zu tun: Am Rumpf haben sich zahlreiche Blasen im Lack gebildet, die ausgebessert werden müssen. In vielen Arbeitsgängen müssen sie ausgeschliffen, geprimert, gespachtelt und neu lackiert werden. Leider wird dieser blaue Farbton nicht mehr hergestellt und so muss letzten Endes doch alles Flickwerk bleiben. Dennoch bekommt Schiwa jetzt wieder den weißen „Hanseatenstreifen“ am Wasserpass verpasst. Das Arbeiten gestaltet sich wegen der häufigen Regenschauer als langwierig. 30°C Wärme, Windstille und Mückenschwärme gestalten den Aufenthalt schwierig. Während des Regens müssen die Luken geschlossen bleiben und es sammelt sich viel Feuchtigkeit im Boot. Jede Woche ist einmal Durchwischen mit Essigwasser angesagt, damit der Schimmel in Grenzen bleibt. Doch nach drei Wochen schweißtreibender Arbeit schwimmt Schiwa am 22. November wieder in ihrem Element.

 

 

Spaanse Water

Am 24. November ist das Boot wieder segelklar und es geht von der Werft wieder zurück in das „Spaanse Water“. In Absprache mit der Hafenbehörde über Funk geht es hinter einem riesigen Öltanker aus dem „Schottegat“ heraus. Erstmalig bin ich „einhand“ unterwegs, also allein an Bord, da muss man sich eben alles vorher genau überlegen, denn es ist ja niemand da, der eine vergessene Leine anschlägt oder den Anker aus dem Dreck zieht…

 

Im Spaanse Water gibt ein großes Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten, Neue kommen hinzu. Es ist merkwürdig, einerseits herrscht Aufbruchstimmung, andererseits regnet es immer und immer wieder. Die meisten Yachten wollen weiter Richtung Westen, nach Kolumbien, Panama und durch den Kanal. Aber weiter im Westen regnet es durchgehend. Wir hören von Freunden, dass sie auf den San Blas Inseln seit neun Tagen Dauerregen unter Deck sitzen.

 

Am 3.12. ist das Boot ein halbes Jahr in Curacao und ich muss zum Zoll, eine Verlängerung beantragen. Endlich mal raus, das Wetter meint es gut, ich fahre in die Stadt und genieße den Ausflug, gönne mir ein Eis und schaue mich noch ein wenig in der Stadt um. Mir fallen viele Bäume auf, deren alte Schnittstellen ehemaliger Äste von Künstlern fantasiereich beschnitzt wurden, ein reizvolles Suchspiel. Später entdecke ich auch die Werkstatt des Künstlers Esteban Ferrales, der auch Halbreliefs an Häuserfassaden zaubert. Auch Nana-ähnliche Figuren gehören zum Repertoire.

 

In der noch gut belegten Ankerbucht herrscht ein reges Treiben, überall hört man die Generatoren, die den Strom für die kleinen Bastelarbeiten an Bord der Boote liefern. Der Supermakrt „Vreugdenhil“, zu dem wir täglich mit dem Bus abgeholt werden, hat schon Weihnachtsbäumchen auf die Tische der Cafeteria gestellt, in der Stadt gibt es eher fremdartigen Weihnachtsschmuck, z.B. hängen an den Straßenlaternen beleuchtete Delfine mit einer Nikolausmütze oder aus den Geschäften kommen rot gekleidete Weihnachtmänner mit riesigen weißen Rauschebärten und – schwarzen Gesichtern! Bei Norman, dem Kneipenwirt am Fischerhafen ist nach wie vor Freitags Happy Hour, der Großteil der Seglergemeinde trifft sich dann dort, lernt sich kennen und verabredet sich zu mancherlei gemeinschaftlichem Tun.

 

 

Ausflug nach Bonaire

Birgit und Rainer von der „Elsa“ mussten letzte Woche Curacao verlassen, weil ihre Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen war. Da sie Motorprobleme hatten und mir nach einem Tapetenwechsel war, nahm ich sie als Gäste an Bord und wir motorten nach Bonaire, der 35 Seemeilen entfernten Nachbarinsel. Zurück ging es dann unter Segeln und Windfahne, endlich mal wieder segeln!

 

Bonaire ist deutlich kleiner und ruhiger als Curacao. Man merkt aber, dass hier wie dort die Kreuzfahrtsaison wieder angelaufen ist, plötzlich liegen die Riesendinger wieder an den Piers und spucken ihre je zwei- bis dreitausend Fahrgäste aus. Gudrun kümmert sich noch in Hannover um Julias Gesundung und wird am 10. Januar wieder zu mir kommen, ich freu mich darauf und erledige derweil kleine Arbeiten am Boot.

 

Inselrundfahrt mit Überraschung

Anlässlich Gudruns spät abendlicher Ankunft am 10. Januar mietet Manfred für drei Tage ein kleines Auto und holt Gudrun vom Flughafen ab. Freudiges Wiedersehen nach zweieinhalb Monaten. Gudrun ist nach 8 Monaten zum ersten Mal wieder auf dem Boot. Am nächsten Tag unternehmen wir eine ausgedehnte Inselrundfahrt auf Curaçao und besuchen am späten Nachmittag einen kleinen Nationalpark im Nordosten der Insel. An einem kleinen Tages-„Restaurant“ ist der Eintritt zu entrichten, danach wird uns eröffnet, dass die Hälfte des Geländes witterungsbedingt gesperrt sei. Leicht verschnupft nehmen wir unsere Erkundungen auf, erfreuen uns an Natur und Landschaft. Insbesondere die sogenannten „Blowholes“ sind immer wieder faszinierend. Eine frische Atlantikbrise treibt eine drei bis vier Meter Welle auf die Küste zu, die sich in trichterförmigen Ausbuchtungen immer weiter auftürmen bis sie am korallensteinigen Steilufer zu 20 Meter hohen Gischtfontänen zerstieben. Wir kehren kurz nach 17:00 Uhr auf den inzwischen verwaisten Parkplatz zurück und bemerken zu unserem Entsetzen, dass eine hintere Seitenscheibe zertrümmert ist. Ein auf dem Rücksitz zurück gelassener leerer Packsack war für jemanden unwiderstehlich. Der Verlust ist also übersichtlich, aber nun kommt es uns darauf an, möglichst schnell den Vermieter zu erreichen. Offenbar kommt das hier öfter vor, denn ohne den Schaden überhaupt zu begutachten nennt uns der Vermieter den Reparaturpreis. Vandalismusschäden sind auch hier trotz „Allinclusive- Insurance“ nicht mitversichert.

 

Kleine Wanderungen

Die nächsten Tage vergehen mit kleineren Reparaturen und gegenseitigen Besuchen auf anderen Booten, nach langer Zeit veranstalten wir mal wieder eine kleine Grillparty auf der benachbarten Miniinsel. Auch finden sich gelegentlich kleine Wandergruppen zusammen. Für ausgedehnte Wanderungen ist es einfach zu heiß und deswegen gibt es auch keine Wanderwege. Vielfach bahnen wir unseren Weg durch dichtes Dornengestrüpp, bleiben hier und da an Kakteen hängen oder besser sie an uns und das Entfernen der widerhakigen Stacheln fordert uns Geduldsproben ab. Das Gelände ist sehr uneben, Millionen Jahre alte Korallenstöcke, glashart wie Lavagestein machen jeden Tritt zu einer Entscheidungsfrage. Zum Schluss stecken unsere Schuhsohlen voller Dornen und Stacheln, manche hatten auch ihren Weg durch die Sohle hindurch gefunden. Belohnt werden wir jedoch mit unberührter Natur: Fremdartiges Vogelgezwitscher, Libellen, Schmetterlinge und Schnecken erfreuen Ohr und Auge. Großartige Aussichten überraschen uns und wir sehen uns genötigt, Panoramaaufnahmen zu machen, sehr gelungen übrigens, aber leider sind alle weg.

 

 

Neben kleineren Unterhaltungsarbeiten wird ein lang geplantes Vorhaben in die Tat umgesetzt: Wir statten unser Sonnensegel mit Wasserabläufen aus und erfreuen uns bei jeder halbstündigen Regenspende einer Süßwasserergänzung um 40 Liter, die wir in Kanistern auffangen.

 

(leider gibt es aufgrund eines Festplattencrashs hierzu keine Bilder)

(zum nächsten Bericht)