Holland in der Karibik: Curacao

Seit Anfang Juni liege ich nun mit Schiwa vor Anker im Spaanse Water, einer riesigen, weit verzweigten und einer ausgebreiteten Hand nicht unähnlichen Ankerbucht und warte auf meinen Heimflug, der für den 3.August gebucht ist.

 

Hier in Curacao überrascht uns eine völlig andere Welt: Curaçao ist rund 444 km² groß, hat rund 150.000 Einwohner und liegt in ca. 60 km Entfernung zum Festland (nördlich von Venezuela und nordöstlich von Kolumbien). Südöstlich liegt Klein Curaçao, eine besonders bei Tauchern beliebte unbewohnte Insel, auf der nur ein Leuchtturm steht.

 

Da die Insel zu flach für Steigungsregen ist, bringen die Luftmassen nur relativ wenig Regen auf die Insel und da die Niederschläge auf Curaçao nicht regelmäßig erfolgen, gibt es auf der Insel keine permanenten Flüsse.

 

Der größte Teil der Bevölkerung konzentriert sich auf die Hauptstadt Willemstad und den urbanen Raum rund um das Schottegat, dem größten natürlichen Innenhafen der westlichen Hemisphäre

Zwar sind nur 6 % der Bevölkerung niederländischer Abstammung, jedoch ist Niederländisch Amtssprache, aber Papiamentu, eine Kreolsprache mit spanischen, portugiesischen, niederländischen und englischen Elementen ist ebenfalls eine offizielle Sprache und herrscht in der Praxis weitgehend als dominierende gesprochene Sprache vor. Die Niederländischen Antillen sind seit 1954 innenpolitisch völlig autonom, lediglich die Außen- und Verteidigungspolitik wird durch die Niederlande wahrgenommen. Ab dem 10. 10. 2010 Curaçao neben Aruba und Sint Maarten ein eigenständiges Bundesland innerhalb des Königreiches der Niederlande sein.

 

Die Innenstadt von Willemstad beherbergt viele historische Gebäude der niederländischen Kolonialarchitektur und steht nahezu komplett unter dem Schutz des UNESCO-Welterbes. Die beiden Stadtteile Punda und Otrobanda verbindet für Fußgänger und Radfahrer die „Koningin Emmabrug“, eine Ponton-Brücke, die für ein- und ausfahrende Schiffe mehrmals am Tag geöffnet wird. Der Autoverkehr muss den Umweg über die 55 m hohe „Koningin Julianabrug“ nehmen. Nach dieser Insel wird auch der aus den Schalen von Bitterorangen (Pomeranzen) gewonnene Likör „Blue Curaçao“ oder „Red Curaçao“ bezeichnet. Zurzeit steht die Insel unter dem Eindruck der Fußballweltmeisterschaft, überall hängen an Wänden und unter Bäumen große Bildschirme, auf denen das Geschehen bei Heinecken und Erwtensoup (echt lekker) verfolgt werden kann.

 

Das Spaanse Water gilt als Hurricane-Hole, weit über hundert Yachten aus aller Welt über“sommern“ hier. Viele nutzen die Segelpause für einen Heimflug. Morgens ¼ vor 8 Uhr hört man in der Funkrunde alle Neuigkeiten aus der Bucht, neben dem Wetterbericht werden ankommende Yachten begrüßt und abfahrende verabschiedet u.v.m. Zum Einkaufen werden wir kostenlos mit einem Bus zum Supermarkt gekarrt und nach einer Stunde wieder zurück gebracht. Gelegentlich finden sich Crews zum Grillen zusammen und es wird bis tief in die Nacht geklönt.

 

Es ergeben sich zahlreiche Kontakte zu anderen Booten: Mit Bob aus Belgien unternehme ich einen ausgedehnten Ausflug durch Computershops, Bau- und Supermärkte. Er ist Hobbykoch und lädt zu einem "small dinner" ein, 3 Gänge gibt's, im Prinzip einfache Sachen, aber raffiniert zubereitet... So lerne ich auch Mathematikprofessorin Constance und Klempner Fred von der "Tashtego" aus Boston kennen, ein sehr ungleiches Paar. Neben mir ankert die "Mabuhay" aus Basel mit Paul und Marie-Theres, während unseres Sundowners kommt Nachbar Eduardo vom Katamaran "Bueno Vento", bittet um Internetzugang und bedankt sich mit einem beeindruckenden Abendmahl bei ihm an Bord, bevor er mal eben für vier Tage nach HAuse fliegt. Die "Caroona" mit Christa, die soeben ihren Geburtstag feiert, und Udo aus Mainz liegt in der Marina Seru Boca, ebenso Howard aus Utah mit seiner 72-ft-Yacht, ich bin beeindruckt aber nicht neidisch auf diese Dimensionen.

 

Ende Juli werde ich unsere Schiwa in der Curaçao Marina in professionelle Obhut geben und an Land stellen. Der Stellplatz ist übersät mit eingelassenen Betonblöcken, an denen die aufgepallten Boote mittels Spanngurten hurrikansicher verankert werden. Zwar liegt Curaçao außerhalb des Hurrikangürtels, aber gänzlich ausgeschlossen ist ein solches Starkwindereignis eben nicht.

 

Für Anfang August ist mein Heimflug gebucht, von hier mit KLM direkt nach Amsterdam, immerhin 9½ Flugstunden von hier entfernt. Gudrun wird mich dort abholen und wir werden einige Tage in Amsterdam bleiben. Ab November geht's dann hoffentlich weiter...

 

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