FRÖHLICHE Weihnachten und FREUDIGER Jahreswechsel

Trotz (oder wegen?) der Unterbrechung unserer Reise gibt es durchaus einiges von Gomera zu berichten, denn es gibt hier, anders als in Bremerhaven, keine Gelegenheit in den Winterschlaf zu fallen. Zum Beispiel die hierzulande gänzlich anders ablaufenden Feierlichkeiten zu Weihnachten und zum Jahreswechsel, wozu natürlich das angenehme Wetter beiträgt, meistens jedenfalls. Weihnachten findet hier sehr viel fröhlicher, geradezu ausgelassen statt, auch in der Kirche, deren Türen meistens weit geöffnet sind, ebenso zum Adventsgottesdienst. Auf dem Kirchenvorplatz wird unter freiem Himmel ein Krippenspiel in beeindruckender Inszenierung incl. lebenden! Enten auf künstlichem Dorfteichlein und lebenden Schafen mit zahlreichen Jugendlichen aufgeführt, begleitet von örtlichen (Volks-) Musikgruppen, die sozusagen als Pausenfüller immer wieder das Spiel unterbrechen. Spät am Abend verweilen wir noch an einer Bühne, auf der Volksmusik dargeboten wird, deren rhythmische Gitarrenklänge den kraftvollen Gesang begleiten. Welch ein Gegensatz zu unserer einerseits schwermütig-feierlichen und andererseits perfekt durchkommerzialisierten Art, die Feiertage zu begehen. Auch dies ist hier anders: Es gibt nur einen Feiertag und die Geschenke gibt's erst zum katholischen Dreikönigstag am 6. Januar.
Am Hl. Abend versammelt sich die deutschsprachige Seglergemeinde um den neuen Gemeinschaftsgrill, vom hiesigen TO-Stützpunktleiter Andy Altendorfer gebastelt. So findet auch der Silvesterabend unter freiem Himmel und am Grill statt. Aber oh Wunder, auf der für ein Lifekonzert aufgebauten Tribüne auf dem Dorfplatz bleibt alles still und kein Mensch ist zu sehen - bis 24:00h. Dann gibt ein kurzes öffentliches Feuerwerk und innerhalb weniger Minuten ist der Platz gerammelt voll. Wohl alle Einwohner sind dabei in festlicher Kleidung -Anzug und Abendkleid sind Standard -, die Musik legt los mit rhythmischem Latino Rock, der uns noch bis frühmorgens in ausgelassener Stimmung mittanzen ließ.
Nach soviel Festivitäten hält es Gudrun nicht länger und sie nimmt mich mit zum Wandern, wieder geht's mit dem Bus hinauf auf 800m Höhe und zu Fuß wieder herab, an sich eine leichte Tour, für mich aber vor allem in den Kniegelenken sehr anstrengend. Unsere Wanderstöcke sind von großem Nutzen, besonders bei den steilen und gerölligen Abstiegen. Belohnt wird die Mühe mit aus der regenfeuchten Erde üppig sprießendem Grün und einer wunderschönen Natur. Diesmal stoßen wir nicht auf aggressive Hunde, sondern auf friedlich in einem verlassenen Dorf streunende Kühe, die wir hier nicht erwartet hatten!

Abstecher nach Teneriffa

Nach soviel Wandern stechen wir mal in See, und zwar gleich zweimal: Zum einen haben wir lieben Besuch aus Hannover, die auf der Insel Urlaub machen und segeln zusammen einen halben Tag vor der Haustür. Der Motor läuft nach so langer Standzeit wieder ohne Murren an und das Segeln haben wir auch noch nicht verlernt.


Die nächste Segelgelegenheit ergibt sich auf einem der Nachbarboote, sie wollen nach Teneriffa und wir sind dort ebenfalls verabredet. Gemeinsam setzen wir über und erkunden nach einem netten gemeinsamen Abend drei Tage lang die Insel. Wir finden Quartier bei einem alten Kollegen von Manfred, der uns zusammen mit seiner lieben Frau eine herzliche Gastfreundschaft gewährt.


Teneriffa ist die größte unter den kanarischen Vulkaninseln, die aus über dreitausend Meter Wassertiefe emporwachsen. Der Pico del Teide ragt aus einer rund 2.000m hoch gelegenen Caldera nochmals rund 1.700m auf und ist mit 3.717m nicht nur der höchste Berg Spaniens, sondern auch der dritthöchste Inselvulkan der Erde. Eine baumlose, beeindruckende Mondlandschaft, absolut unwegsam, aber von der durchquerenden Straße aus bieten sich überwältigende Ausblicke. Der Gipfel ist mit einer mit 25€/Pers. sündhaft teuren Seilbahn zu erreichen. Darauf können wir jedoch gut verzichten, zumal der höchste Punkt eh nur mit Sondergenehmigung erreichbar ist dem Auge außer ein wenig Schnee und viel Geröll nichts Besonderes bietet. Wir erreichen die feuchte Nordseite der Insel, welch ein Gegensatz! Nebel staut sich vor dem Gebirge und mit Weitsicht ist es vorbei. Dafür jedoch üppigstes Grün. Wir verbringen einen Tag gemeinsam mit unseren Gastgebern und lassen uns sachkundig durch Gärten, Parks, Strandpromenaden und durch das als Touristenhochburg bezeichnete Puerto de la Cruz führen. Auch hier stoßen wir wieder auf César Manrique und bewundern seine Werke. In einem zur Touristenbewirtungszentrale umfunktionierten ehemaligen Kloster lassen wir es uns gemeinsam an der Tafel schmecken. Der Verdauungsspaziergang findet im prächtigen Klostergarten statt. Hier bewundern wir auch wieder den Teide-Natternkopf mit bis zu 84.000 Blüten.


Schließlich erkunden wir noch den Ort Icod de los Vinos, hier soll die vorspanische Zivilisation begonnen haben. Hier ist der „1000-jährige" Drago zu bestaunen, ein wahrhaft imposanter Drachenbaum, dessen Alter von Wissenschaftlern jedoch auf lediglich knapp 400 Jahre geschätzt wird. Im Museum der Iglesia San Marcos ist neben allerlei liturgischem Gerät ein rund 2 m hohes Kreuz aus mexikanischem Silber zu bestaunen; es soll die größte jemals aus Silber gearbeitete Filigranarbeit sein. Noch einmal erklimmen wir mit unserem flotten Wägelchen die Caldera und bereisen eine weitere der zehn Klimazonen auf dieser Insel. Ausgedehnte lockere Kiefernwälder in ebenso ausgedehnten, wiederum absolut unwegsamen Lavalandschaften. Über der Mondlandschaft steht der Vollmond am Himmel und so sind wir gewiss, dass uns immer noch die Erde zu Füßen liegt.

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