Geburtstag, Abschiede, Besuche und die Fünfte Jahreszeit

Kaum zu fassen: Manfred ist 60!
Das erste diesjährige „Großereignis" ist Manfreds sechzigster Geburtstag, gebührend gewürdigt dank Gudruns heimlicher und überraschender Hintergrundaktivitäten von so überwältigend zahlreichen postalischen Gratulanten aus der Heimat, dass der zweifelnde Gedanke näher kommt, ob dieser Tag am richtigen Ort stattfindet. Die hier zelebrierte Grillparty mit den Mitseglern zerstreuen die Zweifel jedoch bald und die von Gudrun und Andrea gespendeten hierzulande typisch grellsüßen und zuckerondulierten Geburtstagstorten tun ihr Übriges.


Abschied (I)
Nach 1 Jahr, zwei Monate und 4 Tage Gomera verabschieden sich Rainer, Birgit mit Hündin Chica auf ihrer ELSA von ihrer großen Fangemeinde und segeln nach den Kapverden, wo sie inzwischen heil angekommen sind. Von dort soll es weiter gehen in die Karibik.


Abschied (II)
Kurz darauf verabschieden sich Dieter und Bärbel, leider nicht nur von uns und aus Gomera, sondern ganz von der großen Segelei, immer schwerer werdende Seekrankheitsattacken zwingen sie zum Verkauf ihrer ASGARD. Sie haben Glück und finden sofort einen Käufer und sind inzwischen wieder in Berlin.


Besuch (I)
Wir bekommen für einige Tage lieben Besuch an Bord, Veronika kommt aus Stuttgart angeflogen und wir verbringen einige erholsame Tage mit klönen und wandern. Auch nehmen wir das karnevalistische Treiben zur Kenntnis, jedoch ohne davon ergriffen zu werden.


Besuch (II)
Manfreds ehemaliger Kollege Adolf kommt mit seiner Frau Marianne sowie ihrem befreundeten Ehepaar Anni und Horst im Gepäck auf Gegenbesuch von Teneriffa herüber und wir klappern die Insel gemeinsam mit dem Auto ab. Wir besuchen das „Restaurante Cesare Manrique", von dem wir bereits berichteten, sind aber etwas enttäuscht von den Leistungen der (Lehr)-küche. Abends bei Pizza und rotem Wein im „La Tasca" vergessen wir die Angelegenheit schnell. Leider beenden die Taxifahrer hier vor Ort ihren Dienst bereits um 23:00 Uhr und unseren Besuchern bleibt der zu vorgerückter Stunde beschwerliche Aufstieg zum hoch über der Stadt gelegenen Hotel Parador nicht erspart. Nach einem gemeinsamen Frühstück verbummeln wir den nächsten Tag in der schönen Gartenanlage des Parador.


Besuch (III)
Bernd, ein weiterer ehemaliger Kollege von Manfred ist in Valle Gran Rey auf Urlaub und wir unternehmen mit ihm zwei entspannte schöne Wanderungen, zu deren Startpunkten wir mit seinem Auto gelangen. Wir erwandern uns einige unbekannte Gegenden, die in saftigen Grün erblühen. Wir freuen uns, dass Bernd nicht gerade ein Extrem-Sportwanderer ist und wir deshalb gut mit ihm Schritt halten können.

Zu den Bildern

 

Die Fünfte Jahreszeit
Inzwischen befinden wir uns mitten in der fünften Jahreszeit, dem Karneval. Wir sind beileibe keine Jecken und die Karnevalsaktivitäten in Deutschland belassen uns normalerweise in unserer norddeutsch unterkühlten Winterstimmung. Aber Carnaval läuft hierzulande anders ab, als wir das von Fernsehsendungen aus Deutschland kennen. Für das kleine San Sebastian beachtlich, finden vier oder fünfmal eindrucksvolle Umzüge statt und die Teilnehmer schlüpfen in jeweils wechselnde Kostüme. Auf jedem der wohl dreißig Umzugswagen herrscht ausgelassene Stimmung und die laute rhythmische Musik schont die riesigen Lautspecherboxen nicht.


Zwischen den Wagen marschieren witzig, z.B. als Clowns verkleidete Gruppen, einzelne Ehepaare kommen als MafiaderzwanzigerJahreBosse daher, wieder andere, üppig bestückte und rassige Frauen bieten ihr reizendes Äußere dem Auge des Betrachters dar und in Gegenwart von bemerkten Kameras beginnen sie mit bauchtanzähnlichen Bewegungen, während die sie begleitenden Kavaliere sich sichtlich an der Extravaganz ihrer Begleiterinnen erfreuen. Auffällig viele Männer laufen als Frauen verkleidet herum, uns fällt aber auch auf, dass es keine Alkoholleichen gibt wie auf unseren Volksfesten, jedenfalls haben wir keine gesehen. Fast jeden Tag wird irgendein Sieger gekürt: Königinnen, Kinderprinzessinnen, Gruppenleistungen, Umzugswagen und und und.
So geht es mehrere Wochenenden, wobei „Wochenende" hier großzügig ausgelegt wird, das kann auch schon mal auf einen Mittwoch fallen. Apropos: Am Aschermittwoch ist hier noch längst nicht alles vorbei, erst am 1. März ist der Trubel zu Ende und der Ort geht wieder in seinen verschlafenen Normalzustand über.


Wir hier im Hafen können uns durch die Nähe zum Dorfplatzes, der Plaza de las Americas, dem lautstarken Karnevalstreiben eh nicht entziehen, wir werden einfach mitgerissen von der Tanz und Lebensfreude der Einheimischen. Bis vier Uhr morgens wird das Tanzbein strapaziert. Wie wir hören, sind in dieser Zeit viele ehemalige, nach Südamerika ausgewanderte Gomeros für Wochen hier auf Urlaub, die Sippen vereinen sich und feiern: Viernes(Freitag): Fiesta, Sabado(Samstag) Fiesta, Domingo(Sonntag): Fiesta, Lunes(Montag): Fiesta, Miércoles(Mittwoch): Fiesta, Viernes: Fiesta und so weiter.


Das in der Adventszeit auf dem Dorfplatz errichtete Festzelt kommt nun in intensiven Gebrauch, nahezu täglich spielen Bands auf, häufig zwei pro Abend und legen mit ihren rhythmischen, von Trompetensätzen begleiteten, an Salsa, Rock, Samba erinnernden Darbietungen los. Kaum eine Musikveranstaltung beginnt vor 22:00 Uhr, dafür wird jedoch bis 5:00 in der Frühe ohne Pause(!) und leidenschaftlich musiziert.


Das tut der Freude bei den Musikern keinen Abbruch, sie schwitzen ebenso wie das wild tanzende Publikum und sind mit Spaß und Temperament bei der Sache. Alle, außer uns und den wenigen unberührbaren Norddeutschen Seglern, tragen phantasievolle Karnevalskostüme. Trotz unserer Begeisterung fühlen wir uns so unkostümiert nicht richtig zugehörig und beschließen, dass wir den nächsten Karneval in ortstypischer Manier mitmachen.
Zu den Karnevals-Bildern


Karnevals - Regatta
Während der Karnevalszeit sind viele Segelboote im Hafen über die Toppen geflaggt, in Ermangelung ausreichender Signalflaggen knoten wir alle unsere Gastlandflaggen zusammen und damit nicht genug, näht Gudrun auch noch flugs aus einigen alten regenbogenfarbigen Regenschirmbespannungen jede Menge Wimpel, die nun farbenfroh leuchtend unsere Schiwa zieren.


Seglerischer Höhepunkt der Karnevalssaison ist die am Sonntag, den 1.März vom hiesigen Segelclub veranstaltete „Regata Cruzero Carnaval", an der wir selbstverständlich teilnehmen. Prompt landen wir erwartungsgemäß auf dem 14. Platz von vierzehn Teilnehmern. Mit unserem schweren und trägen Stahlschiff*), bei schwächelnder Brise und dazu ohne Spinnaker hatten wir nicht den Hauch einer Chance. *)Manchmal werden wir auch mit der Bezeichnung „Panzerkreuzer verhöhnt, ganz Witzige unter den Seglern haben sich dies wohl zu Herzen genommen und ihr Boot „Heavy Metal" genannt.


Dennoch war unsere und wohl auch Schiwa's erste Regatta irgendwie witzig und hat uns auf jeden Fall Spaß gemacht. Besonders der anschließende Abend mit Siegerehrung auch das beste Karnevalskostüm wurde prämiert - mit Paella und Freibier entschädigte uns für die Regatta"strapazen". Unser Segelnachbar KarlHeinz hielt mit unserer Videokamera bewaffnet das ganze Geschehen in einem Filmchen fest, den wir hier demnächst unter der Rubrik „Filme" zeigen werden.


Frühlingserwachen
Nach den tollen Wochen ist nun erstmal Ruhe eingekehrt und die Insel geht in die Normalität über. Wir steigen gelegentlich wieder in unsere Wanderstiefel und erleben, wie sich die Insel in wenigen Wochen durch gelegentlichen Regen einen grünen Pelz überzieht.


Die Natur explodiert geradezu. Das intensive Grün des Grases, die knalligroten Kakteenfrüchte, sattgelben und enzianblauen Blüten an uns weitgehend unbekannten Pflanzen durchflutet uns, ätherische Öle und intensive Kräuter beduften die Landschaft, paarungswilliges Vogelgezwitscher und Bienengesumm erfüllen unser Ohr. Manche Bäche führen nun etwas Wasser, viele Regenrückhaltebecken füllen sich, etliche Terrassenfelder sind bestellt und von Felsnasen und -wänden tropft es leise herunter. Der Frühling bricht förmlich aus, sozusagen aus dem Stand, muss er doch nicht, wie bei uns erst den Rückzug des Winters abwarten.


Basteln
In diesen Tagen bläst der „Harmattan", ein heißer und trockener Wüstenwind aus Marokko herüber, treibt die Temperatur fast an die 30°Marke und wir beginnen zu ahnen, wie es hier im Sommer werden kann. So kramen wir flugs die Nähmaschine hervor und basteln einen RundumSonnenschutz für unser Deckshaus, der uns von nun an bei geöffnetem Fenster den Aufenthalt im Schatten ermöglicht.

 

zu den Bildern          zum nächsten Bericht