Pfingstfest und Bajada auf El Hierro

Zu Pfingsten fahren wir hinauf nach Hoya de Morcillo. Mitten im lichten Kiefernwald befindet sich ein Naherholungsgebiet mit Grill, Spiel, und Campingplatz. Auch eine kleine Lucha-Arena befindet sich hier und wir werden Augenzeugen dieses weit verbreiteten kanarischen Ringkampfes, bei dem mannschaftsweise nach dem Ausscheidungsverfahren gegeneinander angetreten wird. Schon die kleinsten üben sich darin und werden von ihren Verwandten und Freunden lautstark angefeuert.


Auf einer eigens errichteten Bühne wird kanarische Volksmusik dargeboten, dazu tanzen Trachtengruppen, dass die Röcke nur so fliegen. Die Texte verstehen wir nicht, aber es geht um Herz, Schmerz und Heimatgefühle. Danach übernimmt ein DJ die Bühne und es wird auf staubigem Waldboden nach heißen SalsaRhythmen getanzt.


Ein weiterer, nein, überhaupt der Höhepunkt im Inselleben steht uns bevor:
Die „Bajada de la Virgen de los Reyes", der „Abstieg der Jungfrau der Hl. Drei Könige".
Alle 4 Jahre am ersten JuliSamstag wird die Virgen, eine einmeterhohe, eher schlichte Jungfrauenfigur aus der ihr eigens gewidmeten Kapelle am westlichen Ende der Insel über 28 km weit über den höchsten Punkt der Insel, dem 1.500m hohen „Malposo" in die Inselhauptstadt Valverde getragen.


Der Legende nach soll diese Marienfigur früher in Dürrezeiten dem Hungern und Dürsten ein Ende bereitet haben, just in dem Moment, als man die Figur zu einem Bittgottesdienst über die Kirchenschwelle trug, fing es an zu regnen. Alle Hierenios kommen dann zusammen, auch die Ehemaligen strömen sogar aus Übersee herbei, um an diesem grandiosen Spektakel teilzunehmen. Bis zu 30.000 Besucher sollen daran teilnehmen.


Der Abstieg der Marienfigur wird begleitet von ekstatischen Hirtentänzen, die nach dem monotonen Takt der Riesentrommeln, Querflötenmelodien und Kastagnettengeklapper von fünf Uhr in der Frühe bis zum Einzug in die Hauptkirche am späten Abend unermüdlich durch den Staub tanzen. Auch Gudrun wandert 12km mit durch die staubige Landschaft, während Manfred mit seiner Videokamera versucht, die Atmosphäre in Bild und Ton festzuhalten.


Die Kirche ist seit drei Uhr nachmittags proppevoll, es herrscht aufgeregtes Treiben, die Kanzel ist mit einer Fernsehkamera besetzt und die ersten schlafen einfach ein. Der Kirchenvorplatz und die umliegenden Terrassen sind zum Bersten voll und alle erwarten den Einzug der Virgen. Gegen elf Uhr ist es dann soweit: Unter dem Beifall des Volkes ziehen die Tänzer und Trommler lautstark in die Kirche ein. Noch aus einiger Entfernung haben wir den Eindruck, dass das alte Gemäuer unter den Trommelschlägen im Takt mithüpft.