Was für eine Stadt: Porto!

Von den Islas de Cies brechen wir nach zwei Tagen in aller Frühe auf, damit wir bei Tage die Strecke bis Póvoa de Vazim in Portugal schaffen. Dieser Ort liegt nahe Porto und ist nach dorthin mit einer Bahnlinie verbunden. Die Küstenlinie ist schnurgerade und etwas eintönig, wir freuen uns auf ein Ankommen und erwarten ein kleineres Küsten-Fischer-Örtchen. Wir müssen jedoch erstaunt eine Skyline zur Kenntnis nehmen, die uns an Manhatten in Miniatur erinnert. Vor den vielen Häusern fällt es Gudrun schwer, die Hafeneinfahrt zu erkennen. Aber Manfreds geschultes Auge hat sie sofort gesichtet. Wir machen in einem kleinen Hafen fest, von der gegenüberliegenden Seite leuchten uns die Neonreklame eines Casinos an und die Lichter weiterer großer Veranstaltungsstätten. Wir hören Musik und Lachen, aber alles weit genug weg, es stört nicht und es dauert auch nicht lange, denn kurze Zeit später hören wir stattdessen fortwährendes Sirenengeheul, das nicht enden will. Wir schauen besorgt raus und müssen feststellen, binnen kürzester Zeit ist pottendichter Nebel aufgezogen, vom Casino ist nichts mehr zu sehen.


Zu hören ist nun die Nebelsirene an der Hafeneinfahrt. Die Einfahrt wird laut Hafenhandbuch nur bei Tage und nur dann empfohlen, wenn die Wellen nicht höher als drei Meter sind, da hier die Gefahr der Strandung an der Kaimauer sehr groß ist. Die oben beschriebene Signalboje ist akustisch so beeindruckend, dass man sie von der Seeseite aus nur als „Bleib-Weg-Signal" interpretieren kann. Wir sind froh, rechtzeitig im Hafen eingelaufen zu sein.


Den neuen Teil der Ortschaft, von den Portugiesen stolz „Atlantic City of Europe" tituliert, lassen wir mit all seinen Entertainment Angeboten links liegen und treiben planlos durch die Altstadt, bewundern die schönen portugiesischen Wandfliesen, Azulejos genannt, die hübschen Pflasterarbeiten, freuen uns über die zurückhaltende Freundlichkeit der Menschen. Im Rathaus bleiben wir vor einer großen Glastür stehen und betrachten das Treppenhaus. Es kommen zwei Angestellte, fordern uns auf, alles aus der Nähe zu betrachten, zeigen stolz den neu restaurierten Ratssaal, danach statten uns mit Stadtplan und Stadtkugelschreiber aus. „Obrigado", „Não tem de quê", „Bom dia" (Danke, gern geschehen, guten Tag).


Uns gefällt der alte Fischerort, mit den Slip-anlagen, den kleinen Läden mit auffallend häufigem Angebot für Schönheit, Aromatherapie und Homöopathie.., dem winzigen Friseurladen aus dem letzten Jahrhundert, wo sich Manfred die Haare gleich schneiden lässt und der Markthalle, in der wir die Früchte des Meeres und der Gärten betrachten können. Es gibt noch eine Reihe kleiner Tante-Emma-Läden, aber vor der Stadt ist Lidl bereits vertreten...! Abends suchen wir ein Restaurant, in das die Einheimischen gehen. Unsere Unentschlossenheit bei der Speiseauswahl wird dadurch gelöst, dass die Fische an den Tisch gebracht werden, wir wählen aus, den Wein wählt der Wirt für uns und es folgt ein leidenschaftlicher auf Portugiesisch vorgetragener Lobgesang über den edlen Tropfen dieses portugiesischen Weinanbaugebietes. „De acordo!" „À sua saúde!" (Einverstanden! Auf Ihr Wohl!).


Mit der modernen METRO nach Porto. Auch hier wieder: Wir denken an einen altertümlichen Bummelzug und stehen erstaunt vor einer „Metro" genannten, S-Bahn-ähnlichen Stadtbahn, die hinsichtlich Ausstattung, Modernität und Funktionalität keine Wünsche offen lässt. Die Rückfahrt findet mit einer Express-Ausgabe selbiger Metro statt, die in den Außenbezirken nur noch wenige Haltestellen bedient. Porto liegt am Douro vor dessen Mündung in den Atlantischen Ozean. Sie ist zweitgrößte Stadt Portugals (330.000 Einw.), wichtige Industrie- und Handelsstadt und ein herausragendes kulturelles und wissenschaftliches Zentrum Portugals. Das historische Zentrum der Stadt am Nordufer des Flusses ist seit 1996 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes eingetragen. Leider nur wenige Stunden treiben wir durch die Altstadt von Porto und erfreuen uns an der Schönheit und Ausstrahlung dieser alten gediegenen Stadt, in der der Reichtum der Kolonialzeit sichtbar Glanz und Größe ausgebildet hat.


Wir schlendern hinab zum Rio Douro, bummeln die Uferpromenade entlang und genießen den Blick zum gegenüberliegenden Stadtteil Vila Nova de Gaia, in dem die Portweinhersteller wie Sandeman, Osborne oder Robertson's ihre Lagerstätten zur Besichtigung anbieten. Auf dem Fluss dümpeln am Cais dos Barcos Rabelos die Transportboote der Portweinfässer. Auch wir können der Versuchung nicht widerstehen und ein 10-jähriger „Tawny" wechselt seinen Besitzer. Wir sehen aber auch die Probleme des Gebäudezerfalls in der Altstadt als Folge von Spekulationen. Die denkmalgeschützten Gebäude haben häufig nur in den Erdgeschossen Handel- und Gewerbenutzungen, viele der darüber liegenden Wohnungen stehen jedoch leer, werden zum Verkauf angeboten oder brechen einfach in sich zusammen. Die Natur überwuchert die Trümmer jedoch ganz einfach und fügt in scheinbar schönster Weise alles durch blühende Überrankungen in das neue Gesamtbild ein. Wir wünschen uns, noch einmal hier zu sein und uns länger mit der Stadt zu beschäftigen.


Wie Ihr bereits wisst, sind wir zwischenzeitlich unterwegs nach Madeira.
Es ist mittlerweile Donnerstagabend, wir dachten, wir wären um diese Zeit schon auf der Insel -diese Rechnung wurde ohne den Wind gemacht - seit 24 Stunden treiben wir ohne (Wind-) Energie auf dem Wasser und schauen uns an. Ab wann werden wir für die letzten 90 sm den Motor zur Hilfe nehmen wollen?


Wir hatten vorhin Besuch von einer Möwe, aber die gab uns auch keinen Tipp in dieser Frage. Die Zeit vertreiben wir uns mit dem Studium der Seekarte. Der Blick dort hinein zeigt 80m unter uns den „Seine Sea Mountain", ein unterseeisches Gebirge - meist handelt es sich um Vulkane - das aus 4000m Tiefe bis fast zur Oberfläche aufragt. Hier versammeln sich Fische aller Art und deswegen müssten doch auch Delfine zu sehen sein. Kaum gedacht, zeigen sie sich in einigem Abstand und ziehen außerordentlich träge durchs Wasser, warum wohl? Normalerweise springen sie um das Boot herum, tauchen unter dem Bug oder dem Heck unter durch und auf den anderen Seite wieder auf, beziehen ihren stählernen Kameraden in ihr Spiel mit ein. Dabei kann man sie kaum fotografieren, zack sind sie wieder im Wasser und man hat nur noch die Wasserspritzer erfasst. Natürlich lesen wir auch viel, Manfred hat gerade in dem Buch „Allein um die Welt" von Joshua Slocum folgende Aussage entdeckt: „Die Überfahrt war sehr anstrengend und trotz ausreichendem Nahrungsangebot bin ich dürr wie ein Reffbändsel" .Jetzt ist Manfred schwanger - mit einer Wunschvorstellung.

 

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