Kanaren - La Gomera

Nach Seeklarmachen geht's auf die 500sm weite Reise nach San Sebastian de La Gomera, wo wir nach vier traumhaften Segeltagen und -nächten festmachen.
Sofort erkunden wir die Umgebung. Der „Hauptstadt" wohnen 2.500 Menschen inne und beim ersten Rundgang trifft uns der Schlag: So viel Brachen, Leerstand, Verfall wechseln ab mit Palmen bestandenen Dorfplätzen und Verkehrsinseln, blühenden Gärten, Geschäften, Re-staurants und kleinen gepflegten Bürgerhäusern. Alles wirkt auf uns zunächst recht lieblos Und die SpanierInnen in ihrer ganzen Lautheit, was für ein Unterschied zu Madeira! Wirklich krasse Gegensätze.


Dennoch nehmen wir, wenn auch erst auf den zweiten Blick die Schönheiten dieser Insel wahr. Zufällig treffen wir auf Andreas, den wir schon von Cherbourg her kennen und machen eine gemeinsame Autotour.


Richard, ein alter Schwede gibt uns einen Geheimtipp, der sich als Bonbon herausstellt. Aus vulkanischen Gegenden sind ja Geysire und brodelnde, blubbernde und stinkende Schlammtöpfe bekannt, nur in versteinerter Form hatten wir das noch nicht gesehen. Was da durch Erosion an Vielfalt in Form und Farbe ans Tageslicht tritt, ist schon faszinierend: In der Nähe lockt ein Besucherzentrum, das in beeindruckender Weise die Besonderheiten dieser Insellandschaft vom Vulkanismus bis zu den Naturschönheiten vermittelt. Die höheren Lagen sind von Lor-beerhochwald, Baumheide und Niederwald bedeckt, durch den feuchten Atlantikluftstrom üp-pig bemoost und praktisch urwaldhaft undurchdringlich. Wen wundert's: Der „Parque Nacio-nal de Garajonay" gehört als einziger spanischer Nationalpark dem UNESCO-Weltnaturerbe an. Nur wenige Routen sind zum Wandern erlaubt, eine davon führt uns auf den mit 1.487m hohen Garajonay-Gipfel mit großartiger Aussicht. Es zieht uns weiter, wir statten dem „Mira-dor César Manrique" einen Kurzbesuch ab, einem an exponierter Stelle gelegen Restaurant, das der berühmte von Lanzarote stammende Künstler und Architekt hier behutsam in die Landschaft gefügt hat. Der Blick auf die Preise der Speisekarte macht Mut: Hier kehren wir bald mal ein! Nach einem Kurzbesuch im nächtlichen Valle Gran Rey, dem von deutschen Alternativlern dominierten Touristenzentrum dieser Insel mit eigener Monatsschrift, dem deutschsprachigen skurril-witzigen „Valle-Boten" geht es zurück ins zwischenzeitlich auch für uns heimelige San Sebastian.


Ein weiteres Mal steigen wir in die Wanderstiefel, lassen uns mit dem Bus auf einen Berg fah-ren und laufen in sechs Stunden zurück ins 700m tiefer liegende Dorf. Der Wanderweg  führt uns durch „öde" Wildnis, entlang einer teilweise waagerecht verlaufenden Schichtung verschie-denartiger Gesteine, aus denen Wind und Wasser natürliche Hohlwege herausgearbeitet ha-ben. Unterwegs kläfft uns eine Meute Hunde aus sicherer Entfernung an, hätten wir vielleicht doch lieber unser Pfefferspray mitgenommen? Wir treffen die ganze Zeit niemanden, die Hunde gehören zu einer hoch über uns gelegenen Behausung und verteidigen nur ihr Revier. Etliche Ziegen klettern umher, Bienen schwirren durch die Luft und gelegentlich setzen wir uns zur Pause unter einen Kaktus, ja, richtig gelesen: unter einen Kaktus, denn manche da-von sind gut 4...5m hoch und spenden reichlich Schatten.


Uns fällt auf, dass die ganze Insel in Jahrhunderten von Menschenhand terrassiert wurde, deren mühsame Bewirtschaftung aber niemand mehr auf sich nimmt. Die
ehemals so mühsam geschaffenen landwirtschaftlichen Nutzflächen sind allesamt bis auf sehr wenige Ausnahmen verwildert. Von weiteren Schönheiten dieser noch längst nicht er-kundeten Insel berichten wir später. Soeben ist Gudrun für einen Monat hier eingetroffen, im Fluggepäck drei Pfund Rosenkohl, Manfreds Lieblingsgemüse! Wir können nun die Feiertage gemeinsam verbringen und den Jahreswechsel zusammen mit der übrigen überwiegend deutschen Seglergemeinde feiern. Der T.O.-Stammtisch zählt an manchen Tagen bis zu 16 Teilnehmer.

 

Inzwischen ist es doch schon fast Weihnachten geworden. Unsere Fahrt über den großen Teich ist nun erst mal unterbrochen. Wir haben uns in San Sebastian auf La Gomera häuslich niedergelassen und bleiben mindestens bis Mitte Mai 2009 hier. Manfred kennt die Kanaren bisher nicht, Gudrun ein wenig und so werden wir die sieben hoch interessanten Inseln jetzt näher untersuchen. Das Klima hier ist das ganze Jahr über sehr ausgeglichen, die Wasser-temperatur liegt bei 20 ± 2°C, die Lufttemperatur zwischen 18 und 25°C. Morgens scheint meistens die Sonne; gegen Nachmittag bewölkt es sich, manchmal von etwas Sprühregen begleitet. So kann man es aushalten, kein Nebel, kein Sturm, kein Schneematsch und die Tage sind hier 2 ½ Stunden länger als zuhause, jedenfalls jetzt im Winter.

 

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