Unser erster Segelurlaub mit SCHIWA

Karte: GoogleMaps
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Rund Jütland
Nach unserem großen Überführungstörn von Griechenland nach Deutschland und dem ersten Winter an Land haben wir uns entschieden, Mast und Rigg überholen zu lassen und verbinden dies mit einer Urlaubsfahrt von Bremerhaven durch den Limfjord und über Fehmarn und Lübeck wieder zurück.


Vorbereitungen
Zeitig im Jahr brechen wir am 9. Mai auf. Es geht Richtung Westen über Idensen nach Minden, dort die Schachtschleuse hinab und über Stolzenau, Drakenburg zum VWL an der Lesum. Hier hatten wir schon mal von Land aus die Lage gepeilt und unseren Besuch angedroht. Hier geben wir am 11. Mai den Mast zur Überholung von Bord und unterdessen werkeln selbst am Boot. So entstehen neue Abteilungen in den Backskisten und im Fahrradkeller. Auch ein neues WC findet seien Platz. Backskisten und Deckshaus werden gemalt. Ein neues Autoradio wird installiert, kleine Boxen finden ihren Platz und einige Kabel werden erneuert.


Der Mast kommt mit neuem stehenden und laufenden Gut sowie neuen Kabeln am 13.Mai wieder zurück. Die zerlegte Rollreffanlage wird neu zusammengesetzt und angeschlagen und am nächsten Tag wird der Mast gestellt. In der Lesum läuft eine kräftige Strömung, aber am Schlengel haben wir immer genügend Wasser unter dem Kiel. Zum Mast stellen müssen wir in das 5m breite Hafenbecken verholen. Das Hafenbecken sieht eher aus wie ein fest installierter Travellift, nur ohne Travel und ohne Lift. Bei Niedrigwasser fällt die Einrichtung trocken und wir haben nur eine Stunde um Hochwasser (Stillwasser) Zeit zum Verholen, Mast stellen und wieder zurück zum Schlengel. Dank tatkräftiger und sachkundiger Unterstützung einiger Vereinsmitglieder gelingt das Vorhaben jedoch auf Anhieb, der Mast steht grob ausgerichtet, die Feinjustierung wird am Schlengel vorgenommen.


Am 1.Juniwochenende verholen wir uns nach Wulstorf, damit wir beim Start in den Urlaub keine Zeit verlieren.


Helgoland
Am Fr., 11. Juni starten wir unseren Urlaub. Wir holen den Wetterbericht ein: NW 5 bis 8 Bft. sind zu erwarten. Da sich die Wesermündung nach Nordwesten trichterförmig öffnet, entsteht mit ablaufendem Ebbstrom eine hohe und extrem steile Welle, so dass die Einheimischen raten, bei solchen Verhältnissen mit mehr als 4 Windstärken auf das Auslaufen zu verzichten. Wir müssen eben warten, bis die Verhältnisse geeignet sind, sicher aus der Mündung kommen. Täglich studieren wir den Wetterbericht, die Vorhersagen sind immer gleich: 5 bis 8Bft. aus NW! Deprimierend. Wir gehen ins Kino „The Day after Tomorrow", unsere Stimmung ist danach nicht unbedingt besser. Auch die wunderbare Fotoausstellung im Deutschen Schifffahrtsmuseum „Hamburger Hafen in den 30er Jahren" mit den eindrucksvollen Stimmungsbildern von dampfenden Schleppern und schwitzenden Malochern hellen unsere Stimmung nicht sonderlich auf. Erst am Freitag, den 18.Juni können wir Bremerhaven verlassen und treffen spät kurz vor Mitternacht in Helgoland ein, ging nicht anders, denn wir müssen uns nach der Tide richten. Unterwegs führt uns der Weg dicht an einem gestrandeten Fischkutter vorbei, der zum Greifen nahe neben der Fahrrinne hoch trocken auf dem Sand liegt. Schnell geht so etwas hier in diesen engen strömenden Gewässern. Da darf eben nichts und niemand versagen.


Da wir nun bereits eine kostbare Urlaubswoche in Bremerhaven verbringen mussten, halten wir uns auf Helgoland nicht lange auf: Ein kleiner Oberland-Rundgang muss ausreichen. Schnell den günstigen Diesel bunkern, Proviant und Vorräte einkaufen, seesicher verstauen und nach zwei Tagen geht's bereits mit überholtem Petroleumherd und zwei neuen Brennern im Gepäck mit Ziel Skagen weiter.


Thyborøn
Wir haben kräftigen Westwind, optimal für den Schlag in den Norden. Extrem unteroptimal jedoch zu Ablegen. Der Wind presst das Boot gegen den Steg, dass die Fender gut zu tun haben. Dennoch versuchen wir es und drücken zunächst das Heck vom Steg weg, um mit hart gelegtem Backbordruder und rückwärts laufender Schraube frei zu kommen. Das Manöver gelingt, wenn auch äußerst knapp. Uff!


Bei angenehmem Segelwind geht es rasch voran und bereits am nächsten Morgen stehen wir am Horns Rev mit dem unübersehbaren Windräderpark. Gegen Abend setzt Flaute ein, wir starten den Motor und spüren eine starke Unwucht. Wir haben was in der Schraube! Während Gudrun das Schlauchboot aus dem Keller zerrt und aufbläst, entdeckt Manfred mit Hilfe eines Spiegel mit sehr langem Griff einen armdicken Tampen in der Schraube und macht sich im Taucheranzug klar zum Abtauchen. Kaum ist das Boot zu Wasser und Manfred zu Boot, fällt der Tampen durch die ständigen Stampfbewegungen von alleine ab. Doppel-Uff.


Der Wetterbericht kündigt das nächste Tief mit 6 bis 7 Windstärken an, das könnte auf der Fahrt nach Skagen ungemütlich werden, die Jammerbugt wird wohl zu Recht ihren Namen tragen. Also beschließen wir, Thyborøn am Eingang des Limfjords anzulaufen und lassen Skagen sausen. Noch ist das Wetter ruhig genug, denn bei Starkwind baut sich vor der Küste eine gefährliche Grundsee auf, die Einfahrt in den Hafen ist dann ausgeschlossen. Das Barometer ist in 10 Stunden um 14hPa gefallen und wir erwarten Böen von 7 bis 8 Bft, die sich auch prompt einstellen. Unterdessen sehen wir uns in diesem trostlosen Ort um, freuen uns aber an dem günstigen und schmackhaften Fisch, denn wir sind in Dänemarks zweitgrößtem Fischereihafen gelandet, die nahe gelegene Fischfabrik lässt grüßen. Wir verzehren reichlich Krebsscheren, eben jene, die auf Helgoland als „Kniepers" (=Kneifer) zum fünffachen Preis angeboten werden.


Limfjord
Das Frontensystem ist schnell durchgezogen und wir pflügen mit phantastischem Segelwind unsere vergängliche Spur in den Limfjord. Wir verabreden uns mit unseren Freunden Björg und Rolf, die in Dänemark leben und uns an Bord einen Besuch abstatten. Sie bleiben über Nacht und wir werden gaanz fein zum Essen eingeladen. Einfach köstlich, selbst die Käseplatte hätte einen französischen Gourmet in Verzückung versetzt, uns natürlich auch. Weiter geht's über Nyköpig, Aalborg bis Hals am Ostseeausgang des Limfjords. Getrübt ist die Freude am Limfjord mit seinen zahlreichen zum Verweilen einladenden Buchten allerdings durch unsere Zeitnot und durch den misslichen Umstand, dass Gudrun sich bei einer unglücklichen Halse eine äußerst schmerzhafte Rippenprellung zuzieht.

 

Thunø
Bei 2 Windstärken verlassen wir Hals mit Ziel Fehmarn, wo wir uns mit Manfreds Bruder Hans-Georg und seiner Frau Elke treffen wollen. Sie machen Urlaub mit ihrem Traumschiff in Burgtiefe. Gudrun hat mächtig Schmerzen und wir beschließen Thunø anzulaufen, verschätzen uns aber total mit der Zeit bzw. mit dem gegenan laufenden Strom, trotz Motorunterstützung und kräftigem Wind machen wir nur 2 Knoten Fahrt über Grund und statt am späten Abend kommen wir erst im Morgengrauen an. Im engen und vollen Hafen gestaltet sich unser Anlegemanöver schwierig, da Gudrun kaum mit den Leinen hantieren kann, schon gar nicht kann sie an Land springen wie sonst meistens. Verschlafene Gestalten erscheinen an Deck und beschimpfen uns statt zu helfen. Vorbildlich unterstützt werden wir schließlich vom hilfsbereiten Skipper von „Uus Pott" aus Kiel. Danke! Kurz nach 16:00 Uhr kommt der Hafenmeister angelaufen und auf seine entsprechende Frage antworten wir ehrlich, dass wir im Morgengrauen angekommen sind. Das hätten wir nicht tun sollen, denn nun ist doppelte Hafengebühr fällig: Wer vor 10:00 Uhr eintrifft, bezahlt für den vorigen Tag mit, es sei denn er trifft nach 16:00 Uhr ein oder so ähnlich, unfreundlich zeigt er uns gegenüber seine Kompromisslosigkeit. Da müssen wir so schnell nicht wieder hin, zumal es außer der Tatsache, dass der Leuchtturm zugleich Kirchturm ist bzw. andersrum nichts Besonderes auf dieser Insel zu bestaunen gibt.


Fehmarn

Auf dem Weg nach Fehmarn schleichen wir an der Ostkante und damit in Lee an der Langeland-Küste hinunter, das Wetter wird zunehmend ungemütlich, kein Starkwind sondern Starkregen verleidet uns die weitere Fahrt. Zur Dämmerung dämmert es auch uns: Wir haben doch einen Anker, warum schmeißen wir denn nicht das Eisen? Gesagt, getan, kurze Zeit später graben sich die Flunken unseres Bügelankers auf 6,20m Wassertiefe in den festen dänischen Kiesgrund. Wir stellen im GPS den Ankeralarm ein, der uns akustisch warnt, wenn wir einen vorgegebenen Schwoikreis verlassen. Unser erstes Ankermanöver mit unserem eigenen Boot. Das wird nicht nur gefeiert, sondern weil es so schön ist bleiben gleich am nächsten Tag noch vor Anker liegen.


Tags darauf haben wir leichtes Spiel und Hans-Georg erwartet uns in Burgtiefe auf der Mole und weist uns den Weg in die richtige Box. Wir verleben einen gemütlichen Abend auf unserer Schiwa und werden zu opulenten Frühstück auf ihr Traumschiff eingeladen.


Niendorf  Am nächsten Tag tuckern wir ohne Wind rüber nach Niendorf in der Lübecker Bucht und genehmigen uns ein deftiges Essen in der Geheimtippkneipe „Tunnel". Gudrun muss dringend wieder ins Büro und als Deckshand kommt Klaus Dieter mal wieder an Bord.

 

Lübeck

In Lübeck steuern wir zum Zwecke des Mastlegens einen Betrieb auf der Teerhofinsel an, wurde uns als heißer Tipp mit auf den Weg gegeben. Um es vorweg zu nehmen: Dilettantisch wäre nicht übertrieben. Liegeplatz zu kurz, Kranausleger nicht neigungsverstellbar und damit zu kurz, Mast falsch angeschlagen, zur Unterhaltung der drei hinter uns wartenden Boote aber zu meinem Entsetzen krabbelt der Fachmann den im 45°-Winkel frei schwebenden Mast hinauf, um die Schlaufe unter dem Radarschirm hervorzuzerren. Oh Gottogott, wenn das man gut geht. Irgendwie geht alles gut, sogar der Radarschirm bleibt dran, den sah ich schon zerbrechen. Erstaunlich, was das Material alles aushält.


Kanalfahrt
Die folgenden vier Tage vergehen ruhig, entspannt und in Harmonie. Ruhiges Spätsommerwetter begleitet uns und der Elbe-Trave-Kanal mit seinen sechs Schleusen ist nicht anders als idyllisch zu nennen. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein oder doch zumindest langsamer zu laufen. Was für ein Gegensatz zum Heide-Suez!


Am 9.Juli erreichen wir den Heimathafen Seelze. Der Meilenzähler steht auf 858 Seemeilen, davon jedoch 277 Kanalmeilen. Gesegelt sind wir mit unseren schönen neuen Segeln ganze 243 Segelmeilen. Na, da wird noch dran zu arbeiten sein.


Hier wird das Boot zum weiteren Refit aus dem Wasser genommen und wieder an Land abgestellt, bis wir dann auf die große Tour gehen können. Dass das erst vier Jahre später sein wird, ahnen wir zu dieser Zeit noch nicht.

 

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