4. Etappe: von Cuxhaven nach Seelze

Abbenfleth
Bereits am nächsten Morgen geht's weiter nach Abbenfleth bei Stade, wo Hans-Georg alles zum Mastlegen vorbereitet hat. Tidengerecht legen wir um 06:30 Uhr mit auflaufendem Wasser aus und lassen uns vom Flutstrom die Elbe hinaufschieben. Zunächst mit Wind von vorn, wird es später ein schöner sonniger Elbausflug. Wir zählen die Tonnen und haken sie in der Seekarte ab, Gudrun fährt parallel zu uns hinter dem Elbdeich und erklimmt ihn des Öfteren, um uns zuzuwinken. Auch Manfreds Mutter Luise schafft es auf den Deich und winkt. Gegen 11:30 Uhr machen wir am Schlengel in Abbenfleth dort fest, wo Hans-Georg den Zettel hingehängt hat: Genau unter dem Mastenkran. Und gerade rechtzeitig, denn nun beginnt das Wasser wieder abzulaufen.


Am Ufer ist das Begrüßungskomitee versammelt, Luise, Manfreds Mutter hat rein zufällig Kartoffelsalat und Würstchen dabei und wir liegen uns alle glücklich und erleichtert in den Armen. Marianne, Dietmars Frau ist mit dem Auto angereist und wird Dietmar und Klaus Dieter übers Wochenende nach Hannover holen.
Wir wissen, dass der Hafen leer läuft und Schiwa im Schlick einsinken wird. Was wir nicht wissen ist, dass die Boote sich mit der Zeit an ihren Liegeplätzen eine Kuhle schaffen, ihre Suhle sozusagen, die sie zweimal täglich aufsuchen. Und die unter dem Mastkran vorhandene haben wir um drei Meter verfehlt mit der Folge, das sich das Boot beängstigend neigt und vorn über zu kippen droht, fast schon berührt der Mast den Kran. Gegen Mitternacht ist dann Verholen angesagt, und beim nächsten Niedrigwasser liegt Schiwa eben in ihrer Suhle, als sei sie mit Lot und Wasserwaage einbetoniert worden.


Sonntag kommt Hans-Georg, Inhaber einer Mastenkranbedienerlizenz, bedient den Mastkran und langsam schmiegt sich der Mast in die von Manfred dafür gezimmerten Böcke und Auflagen, die Gudrun mitgebracht hatte. Jetzt wird ausgerichtet, verlascht, angebunden und verkeilt. So kann der Mast, der vorn und hinten je 1,5m übersteht, sicher über die Elbe transportiert werden, denn mit kräftigem Wellenschlag ist zu rechnen, wenn die Großschifffahrt in nächster Nähe ihre Bahnen zieht. Die Höhe wird nachgemessen, denn im Binnenland lassen die Brücken nur 5m lichte Durchfahrtshöhe zu.


Binnengewässer

Montagmittag legen wir wieder ab. Dietmar und Klaus Dieter sind dabei. Wir schippern durch die Hamburger Hafenlandschaft mitten durch den lebendigen Hafenbetrieb, Barkassen, Containerschiffe, Öltanker und Ausflugsdampfer. Dann gelangen wir auf der Süderelbe durch idyllische Auenlandschaften, bevor wir in der Abenddämmerung die Schleuse Geesthacht erreichen, die wir gegen 20:00 Uhr unbeschadet passieren. Am nächsten Tag fahren wir noch ein paar Kilometer elbaufwärts und biegen bald rechts ab in den Elbe-Seiten-Kanal, der mitten durch die Lüneburger Heide führt und deshalb auch als Heide-Suez bekannt ist. Im Schiffshebewerk Scharnebeck geht es 38 m in die Höhe. Hier fährt man in einen Trog ein, dann wird das hintere Tor ebenfalls geschlossen und ab geht der Fahrstuhl samt der in ihm schwimmenden Schiffe nach oben. Dort wird das vordere Tor geöffnet und weiter geht die Reise.

 

Über dem Wasser bildet sich bereits herbstlich angehauchter Nebelschleier, die Bäume beginnen sich zu verfärben und es duftet nach Kiefern, Pilzen, Gras und Silage. Spiegelblank liegt der Kanal da, bis wir unser Wellenmuster hineinschreiben oder eines der wenigen Binnenschiffe, denen wir begegnen den Spiegel zerreißt. Die nächste Station ist die Schleusenanlage Uelzen, in der es auf Mittellandkanalniveau geht. Wir werden angewiesen an einem Schwimmpoller festzumachen, aber hat die Welt schon mal einen schwimmenden Poller gesehen? Prompt fahren wir dran vorbei, an diesem schwimmenden Poller, der in einer Nut in der Schleusenwand mit dem an ihm befestigten Schiff auf- oder abgleitet. Wir korrigieren unsere Position und erfreuen uns an schwimmenden Pollern, wie praktisch! In Bodenteich schieben wir eine Übernachtung ein.

 

Wir erreichen den Mittellandkanal und flaggen über die Toppen: Manfred stellt den Bootshaken mittschiffs senkrecht auf und spannt die Flaggenleine. An ihr hängen nun der Reihe nach die Flaggen aller Länder, in deren Hoheitsgewässern sie auf dieser Überführung als Gastlandflagge an der Saling wehten: Griechenland, Italien, Spanien, Gibraltar, Portugal, Frankreich, Belgien und die Niederlande. Abends erreichen wir die Anderter Schleuse , vor der wir die Nacht verbringen wollen. Es soll Labskaus geben, mit Spiegelei. Manfred kocht und Dietmar macht sich mit Klaus Dieter auf den Weg, das dazugehörige Sixpack aufzutreiben, nach fast 2 Stunden sind sie zurück, inzwischen nieselt es, es stellen sich heimatliche Gefühle ein.


Am Samstag, den 11.September kommen Gudrun und ihre Tochter Julia an Bord, sie wollen beide bis zu unserem künftigen Heimathafen Seelze mitfahren. Pünktlich zur Schleusung um 11:30 Uhr öffnet auch der Himmel seine Schleusen und es gießt wie aus Eimern. Ölzeug ist angesagt, eine Stunde später ist der Spuk vorbei. Wir erfereun uns an der neu gestalteten Stadtdurchfahrt des Kanals mit den vielen neuen abwechslungsreich gestalteten Brücken. In Bothfeld winken Philipp, Klaus Dieters Sohn und seine Schwiegermutter vom Ufer aus zu. Und in Ledeburg empfangen uns Heike und Lotti und lassen zur Begrüßung Silvesterraketen aufsteigen, wir sind gerührt.


Um 15:40 Uhr machen wir in der Marina Klingenberg bei einem Loggestand von 4.203 Seemeilen in Seelze fest. Auf dem Steg sind viele Menschen, die uns herzlich empfangen. Auch wir sind glücklich, dass wir angekommen sind und dass wir uns wieder sehen.


Das Boot wird an Land gehoben und gut gesichert abgestellt. Nun ist erstmal Arbeit angesagt. Die Segel haben uns bereits zu schaffen gemacht. Das stehende und laufende Gut soll ebenfalls erneuert werden. Die Elektronik soll komplett erneuert werden. Des Weiteren kleine Verbesserungen an der Elektrik, z.B. Umstellung auf LED usw. Ziel ist, nach Beendigung unserer Berufstätigkeit ab 2006 auf große Fahrt zu gehen.


Zu den Bildern          zurück zur Übersicht