2. Etappe: Von Fuengirola nach Baiona

Zur gleichen Stunde landet Hans-Georg mit dem Ersatzsegel im Gepäck und mit Herbert, einem langjährigen Segelkameraden von Manfred im Schlepptau. Nach einer herzlichen Begrüßung wird das Ersatzsegel angeschlagen, es passt zwar dort wo es hin soll, aber es ist mit 70% deutlich kleiner als das Original, so fahren wir also künftig generell mit dem ersten Reff, na ja, schaden kann es ja nicht und stabil sieht es aus, das neue Segel.


Vilamoura
Gleich am nächsten Tag stechen wir in See mit Ziel Algarve. Richtung Marokko bemerken wir nachts weiträumige Gewitter, wir bleiben aber verschont. Mit überwiegend leichten Ostwinden kommen wir Gibraltar näher. Es mehren sich die Schiffssichtungen und der Wind nimmt zu, vor allen kommt er aus der richtigen Richtung. Wir haben Glück und bekommen die Straße von Gibraltar zu fassen, Uff.

 

Mitten in der Nacht schieben wir an der hell erleuchteten Hafenbucht vorbei und bemerken vor dem hellen Hintergrund zunächst nicht, dass ein Containerriese mit Volldampf aus dem Hafen geschossen kommt. Erst im vorletzten Moment bemerken wir die schwarze Silhouette, wir wechseln den Kurs und eine endlos lange Wand schiebt sich in geringer, aber sicherer Entfernung an uns vorbei, Doppel-Uff. Noch in tiefer Nacht kommt uns ein Segler entgegen, wir sehen ihn in der gegen den Strom laufenden Welle unter Segel und Motor heftig arbeiten. Da haben wir aber Glück gehabt. Bereits nach 44 Stunden machen wir in der Marina Villamoura fest. Es werden ein paar Einkäufe getätigt, voll getankt, geduscht in den erstklassigen Anlagen. Im Masttopp wird ein neuer Verklicker angebaut, der alte war abgefallen.


Baiona
Am 10.Juni verlassen wir diesen künstlichen Ort, mit Ziel Baiona in Nordspanien. Die in der Bucht von Vigo gelegene Kleinstadt erreichen wir nach teilweise mühsamem Aufkreuzen nach sechs Tagen. Da nun der Motor eine längere Pause hat und nachts durch die Beleuchtung viel Strom verbraucht wird, fällt zwischendurch das GPS aus, wir stellen zu wenig Spannung auf der Batterie fest und laden sie unter Motorfahrt. Kurz vor Erreichen unseres Ziels hören wir merkwürdige Geräusche aus dem Motorraum und siehe: Der Keilriemen ist gerissen und ohne Keilriemen kein Kühlwasser. Also hinlegen, Keilriemenscheibe von der Kurbelwelle abbauen, Lichtmaschine lösen, neuen Keilriemen auflegen, die abgebauten Teile wieder montieren, den Keilriemen spannen und schon drei Stunden später ist alles fertig! Hans-Georg reicht mir das Werkzeug, Herbert hält Aus- und Zuschau. Am 15.Juni erreichen wir nach dunstreichem Tag gegen 22:00 Uhr in dichtem Nebel Baiona. Hier wollen wir uns auf die Biscaya-Überquerung vorbereiten.


Doch erstmal wird Hans-Georgs Geburtstag gefeiert! Wir kehren ein, es gibt Paella, und viel Wein. Schnell wird noch ein Nachbau der Pinta besichtigt, eines der Kolumbusschiffe. Nach Austausch der leckenden Trinkwasserpumpe in der Pantry und einer kleinen Segelausbesserung geht es mit vollen Bäuchen und vollen Schläuchen und nach Einholung der neuesten Wetterkarten, mittels Digitalkamera „fotokopiert" auf neuen Kurs, Cherbourg ist unser nächstes Ziel.


Das Wetter ist nicht besonders gut, vor allem haben wir den Wind genau auf die Nase, also müssen wir kreuzen. Nach fast Windstille bläst es um Mitternacht mit 6 bis 7 Windstärken aus Nord. Wir nehmen die Schoten dichter und dann passiert es: Mit lautem Knall reißt das Schothorn aus dem Passatsegel, das alte Material ist dieser Belastung einfach nicht gewachsen. Schlagartig ist auch die Stimmung auf dem Nullpunkt und wir beschließen, die mühsam erkämpfte Strecke wieder zurück nach Baiona zu segeln. Dies ist nun der vorzeitige Schlusspunkt unserer Überführung. Die Segelreparatur bzw. Ersatzbeschaffung braucht Zeit, die wir nicht haben. Unsere Urlaubstage gehen zur Neige und wir müssen Schiwa in Baiona liegen lassen. Wir lassen die Segel wieder einmal zur Reparatur zurück. Elke organisiert von Deutschland aus die Rückflüge ab Bilbao. Mit Taxi und Bus gelangen wir ins entfernte Bilbao, schauen uns während der Wartezeit noch das neue Guggenheim-Museum an.

 

Am 21.Juni geht's abends mit dem Flieger nach Hause. Herbert macht mir seit Baiona wegen des seiner Meinung nach nicht hochseetauglichen Bootes Vorhaltungen und wir gehen nach so vielen gemeinsamen Segelurlauben im Streit auseinander. Unsere gemeinsame Etappe ging über 933 Seemeilen, davon 549 sm gesegelt, was immerhin fast 60% entspricht.

 

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